Die ersten vier Etappen der diesjährigen Tour de France sind gefahren. Gestartet wurde diesmal mit einer richtigen Etappe statt eines Prologs. Meiner Meinung nach eine sehr gute Sache. Denn so ein Prolog, also ein kurzes Zeitfahren, hat sportlich gesehen recht wenig Wert. Und als Fernsehzuschauer hat man auch nichts davon. Nur für die Zuschauer an der Strecke ist das Ganze relativ spannend. Deswegen wurde die Prologe auch immer mehr aufgeblasen, zu riesigen Events. Aber so ein Spektakel wie letztes Jahr in London steht eben auch in Diskrepanz zum Stellenwert, die die Tour heute hat. Deswegen ist so ein Schritt zurück, ein Retro-Tourauftakt so zusagen, mit Sicherheit nicht falsch.
Nach dem ersten Zeitfahren gestern ist das Gesamtklassement auch erstmal sortiert worden. Und nun steht ein Deutscher ganz oben, darf also in Gelb fahren. Vor ein paar Jahren noch hätte die Presse diesen “Schumi auf dem Rad” mit solchen und ähnlichen Schlagzeilen in den Himmel gehoben. Heute wird erstmal die Vergangenheit des Radprofis durchleuchtet und die dunklen Flecken auf der Weste aufgezeigt. Kann man das in dieser Form gut heißen?
Meiner Meinung nach schon. Denn dieser Stefan Schumacher war nie ganz unumstritten. Zum einen sind da diversen Funde von Chemikalien in seinem Blut, die da nicht hingehören. Ebenso ein erhöhter Hämatokritwert kurz vor der WM 2007. Aber er wurde nie des Dopings schuldig gesprochen. Dann ist da aber noch eine zweite Sache, die mich persönlich an diesem Fahrer stört. Denn eigentlich hat der Herr Schumacher nichts im Profiradsport verloren, zumindest nicht zur Pollenflugzeit. Denn der Herr leidet unter starker Pollenallergie. Wie viele andere Radsportler auch. Denn die Medikamente gegen so eine Pollenallergie zählen eigentlich als Doping. Mit einem Attest kann man diese aber trotzdem nehmen. Der Herr Holczer, sportlicher Leiter des Teams Gerolsteiner, hat sich immer strikt gegen dieses “legale Doping” ausgesprochen. Hat immer gern auf die anderen geschimpft. Und dann den Herr Schumacher als Fahrer verpflichtet. Der meist kurz nach seiner Pollenallergiezeit seinen Leistungshöhepunkt hat. So wie eben gestern. Dagegen wollte der Herr Holczer einen Jörg Jaksche nicht verpflichtet, wegen ethischer Bedenken oder so. Weil der Herr Jaksche mal gedopt hat, dann aber gestanden und vor der Staatsanwaltschaft ausgepackt hat.
Dann viel Spaß mit dem gelben Trikot.
Aber es gibt auch Gutes zu berichten. So habe ich dank der Tour ein neues Schweizer Wort gelernt. Denn Exploit gibt es nicht nur im Englischen, sondern wird auch in der Schweiz verwendet, wenn es um den Sport geht. Nur werden solche großen Leistungssprünge im Radsport heute eher argwöhnisch, aber auf jeden Fall kritisch betrachtet. Zurecht. Ich hätte eh viel eher “dem Cancellara” den Sieg gegönnt, schon allein wegen dem Siegerinterview.
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