Zwangskauf

Ausschnitt Tarifzonen VMT

Als ich letzte Woche aufgrund der Wetterverhältnisse mit der Bahn zur Arbeit fahren wollte, traute ich am Ticketautomaten meinen Augen nicht. Dieser verlangte 3,30 Euro von mir für eine Strecke, wo das Ticket vorher 2,10 Euro kostete. In der Presse war zwar von einer Preiserhöhung im Nahverkehr der Bahn zu lesen, aber da war die Rede von neun Prozent. Das hier waren mehr als 50% Erhöhung. Auch der Versuch den Ticketpreis über die Fahrplanauskunft am Automaten zu ermitteln schlug fehl.

Mittlerweile bin ich etwas schlauer und kenne auch den Grund für diesen Preisanstieg. Meine Strecke Kahla – Jena Göschwitz fällt seit 12.12. in den Verkehrsverbund Mittelthüringen. Dies bedeutet, ich könnte mit diesem Ticket auch in den Norden Jenas fahren. Oder noch besser, sogar den städtischen Nahverkehr könnte ich nutzen und eine ganze Stunde lang durch die Stadt fahren. Bringt mir aber nichts, schließlich habe ich Arbeit. Und den Weg vom Bahnhof zu eben jener schaffe ich zu Fuß schneller, als wenn ich auf die Straßenbahn warten würde. Und dieses Verbundticket mit seinen Vorteilen wäre ja auch absolut okay, wenn nicht gleichzeitig die Lösung eines normalen Bahntickets dadurch entfallen würde. So bin ich gezwungen für Leistungen zu bezahlen, die ich nicht in Anspruch nehmen will und kann. Kundenfreundlichkeit sieht anders aus. Für mich heißt das, trotz aller Verbundenheit zur Natur, dass ich in Zukunft so weit wie möglich auf den Nahverkehr verzichten werde. Wieso man hier nicht dem Kunden die Wahl zwischen Verbundticket und normalem Bahnticket überlassen kann, soll mal einer der Verantwortlichen erklären.

Dass dies kein Einzelfall ist, kann man z.B. an der seit Jahren existierenden Seite vmt-kritiker.de erkennen. Interessant ist auch, was unsere regionale Tageszeitung in einem Artikel zu dem Thema vermerkt hat.

Eich-Born vertritt Verkehrsminister Christian Carius (CDU), der sich stattdessen per Pressemitteilung äußerst lobend zu Wort meldet. “Die Erweiterung des Verkehrsverbundes Mittelthüringen ist die Zukunft für den öffentlichen Personennahverkehr”, wird der Minister darin zitiert. Warum er in seiner Funktion als Kreistagsmitglied in Sömmerda den Beitritt des Landkreises zum Verbund abgelehnt hatte, schreibt er jedoch nicht.

Die Macht von Google und Facebook

Besucherstatistik herr-b.de


Ich war diese Woche zwei Tage ohne DSL-Zugang. Nachdem das überstanden war, folgte die nächste Überraschung. Mehr als 300 Besucher an einem Tag zeigte die Statistik an. Was sehr, sehr ungewöhnlich ist. Zuerst glaubte ich an einen überstandenen SPAM-Angriff. Bei genauerer Untersuchung kam aber heraus, dass fast alle Besuche die gleiche Quelle hatten. Nämlich die Bildersuche von Google, genauer gesagt den dortigen Suchbegriff “Plumps”. Okay, es gab schon immer viele Besuche auf meinem selbstgebasteltem Plumps-Bild. Aber so viele an einem Tag sind krass ungewöhnlich. Weiterlesen

Datenschutzdebatte

Kann mir mal jemand erklären, wieso sich eine Nation, in der nahezu jeder Depp seine Initialen, Geburtsjahr usw. auf dem Nummernschild am höchstem Heiligtum, dem Auto, durch die Gegend fährt, so an Fragen zum Datenschutz (Stichwort Google Street View, Facebook…) aufreiben kann? Ich versteh’s nicht.

Nachtrag: Deutsche Rentner protestieren gegen Street View, indem sie ein Bild ihrerselbst vor ihren Häusern ohne jegliche Verfremdung und mit Nennung ihrer vollständigen Namen im Internet publizieren lassen. Danke für dieses herrlichen Witz. Weiter so!
Die Häuser liegen noch nicht mal an einer Straße, werden deswegen bei Street View leider nicht zu sehen sein.

Die Seele des Sports

Folgende Sätze habe ich in einem Interview mit dem Fotografen Uli Wiesmeier gefunden. Gleichzeitig habe ich auch entdeckt, dass mich einige seiner Bilder schon sehr lange fasziniert haben, ohne dass ich wusste, dass diese von ihm sind. Aber darum soll es hier nicht gehen, sondern um dieses Thema:

Warum, glaubst du, hat sich die Outdoor-Sportszene teilweise so weit ins Extreme entwickelt?

Ich würde sagen, daran ist der Hersteller eines gewissen Zuckerwassers nicht unmaßgeblich beteiligt. Ich kenne drei ehemalige Red-Bull-Athleten, die jetzt im Rollstuhl sitzen. Die Jungs stehen alle unter einem extremen Druck, der gar nicht direkt ausgeübt wird. Keiner sagt dem Freerider: Ich will, dass du jetzt mit irgendwas dieses 50-Meter-Cliff runterspringst. Aber die meisten wollen eben auch mal einen Red-Bull-Helm tragen. Gerade die Jüngsten, die zur »Familie« gehören wollen, riskieren nicht selten Kopf und Kragen. Jemand wie der Red-Bull-Boss müsste einfach nur sagen: Ich will das gar nicht mehr sehen, diese lebensgefährlichen Geschichten, sondern ich will den Soul der Sportarten verkaufen. Das wäre mal eine Botschaft! Stattdessen gründet er die Stiftung »Wings for Life«, um damit die medizinische Forschungen zur Heilung von Querschnittslähmung zu fördern. Für mich grenzt das an Zynismus.

Eine gewisse Beteiligung an dieser Entwicklung kann man wirklich nicht bestreiten. Wobei meine Ansichten zur Seele meines Sportes vielleicht sehr begrenzt sind. Und ich da eben auch nur für meinen Sport sprechen kann. Ich verstehe es noch nicht mal, was es mit Mountain Biken zu tun haben soll, wenn man sich mit einem Lift auf einen Berg fahren lässt. Oder Sprungrampen in den Wald baut. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls noch ein Grund mehr dieses Zeugs unter keinen Umständen zu kaufen.

Beim irgendwie wichtigstem Sport der Welt ist die Einflussnahme Red Bulls zwar auch schon groß, aber glücklicherweise ohne oben genannte Konsequenzen für die Sportler. Wobei die Seele des Fußballs sicher auch drunter leidet. Und apropos Fußball, es gibt eine neue Umfrage zur WM. Wer überprüfen will, welche Mannschaft am besten zu seiner Definition der Seele des Fußballs passt, dem sei der Team-o-mat der NZZ wärmstens empfohlen. Bei mir sind die attraktivsten Mannschaften Südafrika, Argentinien und Dänemark. Muss wohl an den Trikotfarben liegen.