Da habe ich ja gestern eine Geschichte gehört. Von einem Bahnreisenden, nennen wir ihn mal B., wie halt Bahnreisender.
Der B. war in der fiktiven Stadt Nürnberg und wollte in der Nacht wieder zurück in die Nähe der fiktiven Stadt Jena fahren. Was kein Problem ist, weil da ein Nachtzug verkehrt und mit dem ist B. auch schonmal gefahren und da hat alles super geklappt. Das Problem mit den Nachtzügen ist nur, dass die reservierungspflichtig sind. Naja, aber so schlimm ist das ja nun eigentlich auch nicht. Oder doch?
B. begab sich also frohen Mutes zum Fahrscheinautomaten, aber da passierte es. Just in dem Moment lief die Frist für die Reservierungen ab, genau 6 Stunden bevor der Zug im Bahnhof eintreffen sollte. Also ging B. zum Bahnschalter, aber die nette Frau dort konnte ihn genauso wenig leiden wie der Automat. Was aber am unglaublich gut durchdachten Buchungssystem der Deutschen Bahn liegt. Aber das sei alles kein Problem, B. solle sich einfach rechtzeitig am Bahnsteig einfinden und sich dann beim Schaffner melden. Der könne ihm dann auch einen Fahrschein verkaufen.
Also war B. pünktlich um viertel 2 in der Nacht am Bahnsteig. Dort fand er sogar Leidensgenossen. Ein Ehepaar aus Jena, ebenfalls ohne Reservierung, weil ihr Flug aus Kenia Verspätung hatte. Der Zug kam an und das Abenteuer begann. Denn die österreichische Zugbegleiterin erklärte dann, dass dieser Zug ein Privatzug sei und eine Reservierung einfach mal 19 Euro koste. Soviel wie die normal Fahrt B. gekostet hätte, mit einem Zug der Deutschen Bahn. Und einen Fahrschein könne sie auch nicht verkaufen, weil das ja ein Privatzug sei und da andere Regeln gelten. Man solle sich doch einen Fahrschein am Automaten holen, was natürlich aufgrund des Buchungssystems seit 6 Stunden nicht mehr möglich war. Ansonsten würde ein Fahrschein 99 Euro kosten, also fünfmal so viel wie B. für eine normale Fahrt hätte bezahlen müssen. Aber man solle erstmal einsteigen und dann würde man das klären. Es wäre nämlich noch eine deutsche Zugbegleiterin im Zug, bei der man wohl einen Fahrschein zum normalen Tarif kaufen könne.
Nun gut, B. lag schon halb schlafend im Abteil, da kamen beide Zugbegleiterinnen. Plötzlich hieß es, die deutsche von beiden hätte kein Buchungsgerät dabei und könne deswegen keinen Fahrschein verkaufen. Also solle B. doch bitte 99 Euro bezahlen. Immerhin könne er dafür sogar bis nach Berlin fahren, was er natürlich nicht wollte. Nach ein paar Worten und schon sehr genervt und müde war B. kurz davor, wirklich zu bezahlen. Aber er hatte ja noch einen Trumpf in der Hinterhand, die Bahncard 50. Doch schau an, plötzlich sollte man damit nur noch 25% Nachlass bekommen, statt 50%. Weil, man ahnt es schon, dies ja ein österreichischer Privatzug wäre. Und das obwohl B. eindeutig innerhalb Deutschlands unterwegs war. Vielleicht zählt ja ein österreichischer Privatzug innerhalb Deutschlands trotzdem noch zu österreichischem Staatsgebiet, man weiß es nicht. Nunja, B. war nun schon dabei seine Kreditkarte zu zücken, aber nein, das ging auch nicht. Nur Barzahlung sei möglich. Immerhin in Euro, und nicht in Schilling. Tja, aber so viel Bargeld hatte B. nicht dabei. Und dann, urplötzlich, meinte die deutsche Zugbegleiterin, sie hätte ihr Buchungsgerät doch dabei und da könne B. mit Karte bezahlen. Man hatte B. also dreist belogen! Doch da machte Frau österreichischer Privatzug ihren größten Fehler. Sie bot B. an, entweder solle er zahlen oder beim nächsten Halt aussteigen. Was die gute Frau nicht wusste, der nächste Halt war Saalfeld und von dort konnte B. genauso gut wie von Jena aus nach Hause fahren, zudem noch mit dem Semesterticket, sodass ihn die ganze Fahrt im Endeffekt nichts kosten würde. Ha!
Und so überbrückte B. die Wartezeit in Saalfeld mit heißer Schokolade und Keksen, war dann früh um 5 Uhr daheim und fiel sogleich ins Bett. So erzählt man es sich jedenfalls.