Album des Jahres Zwanzigzehn

Meine Album-Jahrescharts

Dieses Jahr mache ich es mir ganz einfach und nehme meine persönliche Hörstatistik von last.fm heran. Denn ich habe, ganz im Gegensatz zu 2009, dieses Jahr hauptsächlich aktuelle Musik gehört. Und da schau her, Album des Jahres ist völlig unüberraschend das grandiose Forgiveness Rock Record.

  1. Broken Social Scene – Forgiveness Rock Record: Wer möchte, kann hier nochmals meine Meinung zum Album nachlesen. Diese Meinung hat sich nicht geändert. Und wer versuchen möchte zu verstehen, warum die anderen Alben der Broken Social Scene in meinen Charts auftauchen, dem empfehle ich dringend die Lektüre dieser beiden Konzertberichte. Solch großartige Erlebnisse, die noch immer in meinem Herzen sind.
  2. Teitur – Let the Dog Drive Home: So wunderschön, aber da Veröffentlichung und Tour erst 2011 anstehen wohl eher das Album des nächsten Jahres.
  3. Stars – The Five Ghosts: Völlig zurecht steht dieses Album auf diesem Platz. Und ich will noch immer nichts weiter drüber schreiben, lieber im Herzen behalten. Das Konzert hat das Album noch weiter aufgewertet, nur eine Begleitung hat noch gefehlt.
  4. Memphis – A Little Place In The Wilderness: Kein aktuelles Album, trotzdem oft gehört. Aus einem ganz einfachen Grund: Diese Musik ist perfekt. Und so wunderschön. Ich kann sie immer hören, egal wie meine Stimmung ist. Und dies ist einzig und allein mit diesem Album möglich.
  5. Kings of Leon – Come Around Sundown: Wie sehr mir dieses Album gefällt, habe ich ja schon hier erwähnt. Ich finde es noch immer beeindruckend, dass die Bengel nach einem Reinfall so ein Album abliefern konnten.
  6. Clueso – Clueso & Stüba Philharmonie: Für mich die schönste Version des Cluesoschen Schaffens. Sind natürlich auch viele Lieder drauf und da ich Alben immer am Stück anhöre, ergibt das viele Scrobbels.
  7. Metric – Fantasies: Eigentlich Album des Jahres 2009, aber von mir erst später entdeckt.
  8. Jason Collett – Rat a Tat Tat / To Wit To Woo (Deluxe Bundle): Spätzünder. Ich fand es nach mehrmaligem Hören eher langweilig. Bis mir klar wurde, wie großartig Herr Collett hier mit verschiedenen Stilen spielt. Es ist wie eine Zeitreise. Und dennoch ist die Musik aktueller als so manch anderes, was in letzter Zeit erdacht wurde. Eine sehr gehaltvolle Liedsammlung, die ich jedem hiermit ans Herz legen möchte. Ebenso wie Pony Tricks. Dies ist eine kleine EP, auf der Herr Collett anlässlich seiner Tour einige seiner Lieder in ein ruhiges, zurückhaltend instrumentiertes Gewand gekleidet hat. Ganz wunderfein.
  9. Shout Out Louds – Work: Ich habe eine ganz Weile gebraucht, um mich mit dem Album anzufreunden. Aber jetzt klingt es noch immer nach Sommer und Natalies Garten. Das mag ich daran.
  10. Eels – End Times: Um ehrlich zu sein, ich kann mich gar nicht dran erinnern dieses Album so oft gehört zu haben. Eels-Alben brauchen aber auch immer eine ganz bestimmte Stimmung, um ihre Wirkung beim Hören zu entfalten.
  11. Die Sterne – 24/7: Meiner Meinung nach hat diese Band mit dem Riss und dem Neu(er-)finden alles richtig gemacht und ich wünsche mir, dass sich der Mut auch auszahlt. Bitte unterstützen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, ob sich meine Vorhersage des letzten Jahres wirklich bewahrheitet hat. Da ich nicht einschätzen kann, welche Musik heute wirklich gehört wird. Ob die Schrammelmusik noch immer aktuell ist oder ob wenig musikalisch anspruchvolles wie Frittenbude und so noch immer so viele Anhänger findet. Ich für meinen Teil kann nur feststellen, dass mit fortschreitender Vergreisung meinerseits wachsendem Musikrepertoire in meinem Kopf mein Geschmack spezieller wird. Soll heißen, je mehr Musik ich kennenlerne, umso mehr sortiere ich nach gehaltvoller, vielschichtiger Komposition und simpler Umsetzung einer simplen Idee. Wobei letzteres einfach nicht mehr interessant für mich ist. Was nicht heißt, dass mir einfache Sachen wie reine Abgehmusik oder harter Rock gar nicht zusagen würden. Aber ich bin insgesamt anspruchsvoller geworden, glaube ich. Was ich aber total okay finde.

Hat es jemand bis hierhin geschafft meine Ausführungen zu lesen? Falls ja, mich würde auch andere Meinungen sehr interessieren. Was war euer Album des Jahres und vor allem warum? Was habe ich alter Mann verpasst?

Reise in die Vergangenheit

Im Broken Social Scene-Newsletter wurde angekündigt, dass man zusammen mit Superchunk spielen wird. Wieder so eine neumodische, mir unbekannte Band dachte ich. Bis ich auf Umwegen auf folgendes Video stieß:

Und damit mit den Gedanken direkt zurück ins Jahr 1995 geschickt wurde. Als ich dieses Lied im Walkman (mit Equalizer!) von Kassette gehört habe. Vorzugsweise auf dem Fahrrad während der Fahrt zur Schule oder wieder zurück.

Großartig aber eben auch das Video mit wunderbaren Seitenhieben. Passend zum Lied. Ich schau es mir noch ungefähr hundertdreiundsiebzigmal an. Düü düdü düdüdüdüüü düdeldüdeldüdel…

Herzblutsache

Shirt-Motiv Broken Social Scene


So sieht das Motiv des Shirts aus, welches ich mir beim Konzert in der Poolbar vor einer Woche gekauft habe. Und ich finde, es symbolisiert das Geschehene und Gefühlte sehr gut. Wer es verstehen will, dem empfehle ich die Lektüre des eben verfassten Konzertberichts von mir. Und bei nächster Gelegenheit einen Besuch eines Broken Social Scene-Konzertes.

Forgiveness Rock Record

Broken Social Scene - Forgiveness Rock Record

Broken Social Scene - Forgiveness Rock Record

Aus aktuellem Anlass möchte ich nochmals auf das Broken Social Scene-Phänomen hinweisen. Auch fast zwei Jahre nach seiner Entdeckung ist dieses lebendig wie eh und je. Denn wie alle Musikliebhaberinnen und Musikliebhaber wissen, hat das Künstlerkollektiv ein neues Album zur Welt gebracht. Dank Vorbestellung befindet sich dieses seit Mittwoch in meiner Musikbibliothek.

Der Einstieg in die Klangwelt des Albums erfolgt fließend und ruhig. Die Töne von “World Sick” bauen sich langsam auf und dann ist man drin. Und findet sich in einer Welt wieder, die so reichhaltig ist, dass man immer wieder neues entdecken kann. Im Vergleich zu den beiden BSS presents…-Alben ist Forgiveness Rock Record sehr abwechslungsreicher, die einzelnen Songs unterscheiden sich viel stärker voneinander. Und trotzdem passt alles zusammen und es gibt keinen Füllstoff. Jeder Song für sich ist ein ausgefeiltes Kunstwerk (Ausnahme: “Me and My Hand”) und könnte auch allein bestehen. Und trotzdem passt alles zusammen und wirkt trotz Varianz wie aus einem Guss. Man hat es mit einem echten Album zu tun, nicht einer Aneinanderreihung von Liedern, wie es heute leider üblich geworden ist.

Einen Spaziergang durch diese Welt sollte man sich nicht entgehen lassen. Und immer schön die Ohren offen halten, es gibt viel zu entdecken. Ich werde sicher noch viel Zeit dort verbringen.

Disclaimer: Diese Zeilen sind keine Reklame, sondern kommen, wie die Musik der Broken Social Scene, von Herzen.