Unterhaltende Ansichtssache

Max Herre (kulturarena.de)

Ich war letztes Wochenende mal wieder bei einer Musikveranstaltung. Max Herre spielte im Rahmen der KulturArena in Jena.

Meine Erwartungen an das Konzert waren zwar nicht hoch, wurden dennoch nicht erfüllt. Aber es war eben die Veranstaltung der KulturArena, die möglichst viele junge Menschen anziehen sollte. Besonders jene, die sonst nicht zur KulturArena kommen. Und so ein Publikum will unterhalten werden, klar. Dies wurde es auch. Das ganze war eher eine Unterhaltungsveranstaltung. Der sogenannte Sänger auf der Bühne eher Animateur. Was wiederum okay war, denn musikalisch hatte dieser eh nicht viel zu bieten. Nur Lieder mit phrasenschwangeren, aber inhaltslosen Texten und langweiliger, eintöniger Instrumentierung, dazwischen immer wieder Aufgüsse alter Freundeskreis-Hits.

Klar war aber auch schnell, was man in der Lokalpresse über das Konzert schreiben wird. So kam es dann auch. Es war zu lesen vom großartigen Publikum, das mitsang und klatsche. Und vor allem davon, wie die Musiker dazu animiert wurden, vier Zugaben zu spielen. Nur war dies eben alles Inszenierung. Bereits nach fünf Liedern verschwand die Band von der Bühne um den ersten Applaus für weitere Stücke einzufordern. Oder weil sie eine Pause brauchten. Weil die Lieder so in die Länge gezogen wurden und dies ja anstrengend ist. Aber klar, wenn man nicht viele Lieder hat, muss man die wenigen eben strecken.

Aber zum Glück waren nicht alle so kritisch und so anspruchsvoll wie ich und der größte Teil des Publikums schien doch sehr begeistert von der Veranstaltung gewesen zu sein.

Musiksommer

Letzte Woche war ich ja mal wieder bei einem Konzert und möchte hier auch gern was dazu schreiben. Und zwar hat Tina Dico in Rahmen der Kulturarena im sommerlichen Jena gespielt. Wem der Name nichts sagt, sei beruhigt, mir ging es genauso. Bis ich folgendes Video im weltweiten Netz entdeckte:

Das hat mir durchaus gefallen. Und dann fand ich noch dieses Video mit Teitur. Und da Teiturs Freunde auch meine Freunde sind, habe ich entschieden das Konzert zu besuchen.

Und dann kommt plötzlich der Helgi Jónsson auf die Bühne. Der Musiker aus Island, der damals auch zusammen mit Teitur in München gespielt hat. Auch diesmal spielte er ein paar seiner Lieder und unterhielt das Publikum mit seiner charmanten, spitzbübischen Art. Und es kam noch besser, der anschließende Auftritt war eher ein Tina und Helgi- Konzert mit Bandunterstützung. Alle Lieder wurden gemeinsam vorgetragen und diese zwei Stimmen harmonierten sehr gut miteinander. Zum Beispiel das “Sacre Cour” aus dem Video oben war in der Liveversion sehr vielschichtiger und auch ein echtes Highlight des Abends. Aber der Helgi versprach auch zum Auftakt, dass das Publikum einen sehr schönen Abend mit der Tina verleben würde. Und so kam es dann auch. Bereut habe ich den spontanen Entschluss keinesfalls.

PS: Falls sich jemand fragt, was der Teitur eigentlich derzeit so macht, der malt Hunde. Ist kein Witz!

Vom Saxophon und anderen Dingen

Es war eine schwere Geburt, aber jetzt ist er da. Der Bericht vom Curtis Stigers-Konzert vor einigen Tagen hier in Jena. Finden kann man diesen hier. Bilder gibt es auch, wenn auch nicht von mir. Und wer will, der kann auch mal in den Blog von Mr. Stigers schauen, auch dort finden sich ein paar Worte zum Konzert und Jena. Musik kann man da auch hören. Wobei man aber sagen muss, dass diese live gespielt mindestens doppelt so gut.

Übrigens, erkennt jemand das Lied im Titel vom vorigen Artikel?

Sophie Hunger macht Jena satt

Diese Woche war ich endlich mal wieder bei einem Konzert zugegen. Erst das dritte Mal in diesem Jahr. Dafür aber schon das zweite einer Schweizer Künstlerin. Sophie Hunger mit ihrer Band spielte auf der Kulturarena vorm Theaterhaus hier in Jena. Und gewann das Publikum nach eher verhaltenem Start letztendlich doch für sich und krönte den Abend mit etwas ganz besonderem.

Wenn eine Künstlerin scheinbar nicht auf das Publikum eingeht, ist das schwierig. Für beide, wahrscheinlich. Und so war der erste Teil des Konzertes musikalisch zwar gehaltvoll, was aber nicht jedermanns Sache im Kulturarena-Rund zu sein schien. Aber eben, irgendwann sprach Frau Hunger eben doch noch und es wurde eine richtige Unterhaltung daraus. Denn Schweigen ist nicht immer Gold.

Musikalisch gab es von ruhigen Stücken, sphärischen Klängen bis hin zu sehr dynamischen Liedern sehr viel Varianz. Ich kannte vorher so gut wie gar nichts von den Hungerschen Werken. Dafür hatte ich schon einiges an Lob über jene gehört und gelesen. Okay, die Musik ist zweifelsohne hochqualitativ. Da versteht jeder sein Handwerk und die Komposition des Ganzes stimmt ebenfalls. Aber man hat eben das Gefühl, so richtig angekommen ist diese junge Frau noch nicht. Sie sucht ihren Platz, probiert dadurch viel aus und irgendwie hat man dabei immer das Gefühl, die Angst vorm Scheitern zwischen den Tönen spüren zu können. Vielleicht ist das aber auch nur ein Missverständnis. So wie der Lautstärkepegel der Gespräche im Publikum leider immer besonders hoch war, wenn ein Lied auf Schweizerdeutsch gespielt wurde. Unverständlicherweise.

Erstaunlich war, mit wie viel Freude in den Gesichtern und mit wie viel Enthusiasmus die zweite Zugabe gespielt wurde. Dies war aber auch eine Coverversion, die wahrscheinlich beste Version von “like a rolling stone”. Und weil der Applaus daraufhin, verdientermaßen nach einem wirklich tollen Konzert, nicht enden wollte, gab es noch ein besonderes Experiment. Echte Musik, ohne jede Verstärkung. So saßen dann die Musiker mit ihren Instrumenten am Bühnenrand, das Publikum rückte näher zusammen und ein letztes Lied flog ganz sanft in die Sommernacht hinaus. Lagerfeueratmosphäre mit 2000 Menschen. Das war wirklich beeindruckend und ein würdiger Abschluss für eines der Highlights der diesjährigen Kulturarena.

Kulturelle Arena-Nachbetrachtung

And now for something completely different. Ich habe einen kleinen Konzertbericht geschrieben. Klein deswegen, weil wenig Zeit und so. Finden kann man den hier. Es geht dabei natürlich um die Kulturarena, besser gesagt den Abschluss dieser mit der Amsterdam Klezmer Band. Hatte ich ja auch schon mal hier erwähnt. Mitten in der Nacht, unter Alkoholeinfluss. Aber mal was zur Kulturarena. Ich bin ja wirklich froh und dankbar dafür, dass ich diese Veranstaltung so oft besuchen durfte. Weil es meinen Horizont doch sehr erweitert hat. Schade nur, dass ich doch auch viel verpasst habe. Weil neben dem Arbeiten oft einfach die Kraft bei mir gefehlt hat. Aber eben, kann man jetzt auch nicht mehr ändern. Gibt schlimmeres.

Stattdessen mag ich lieber was zum Thema der neuen Umfrage erzählen. Milch also. Weil damals, als der kleine Danny noch in der Grundschule war, da gab es noch Schulmilch. Kennt ihr sowas auch? Bei meinem Bruder gab es das nach der Wende auch noch, aber das war anders. Da gab es Milch in Tetrapacks. Bei uns gab es damals die Milch in Glasflaschen. Auf denen kein richtiger Deckel war, sondern nur eine Kappe aus Alufolie. So wurde die Milch ja grundsätzlich in der DDR verkauft. War natürlich doof, wenn die Alufolienkappen (Haha, das erinnert mich jetzt aber an was anderes.) kaputt waren. Und zwei Schüler mussten jeden Tag den Kasten Milch aus der Kantine holen. Ich war immer in der ersten Woche nach den Ferien dran, weil mein Nachname ja mit B beginnt (Hätte jetzt niemand gedacht, gell.) und ich deswegen ganz oben im Klassenbuch stand.
Ist aber alles gar nicht so interessant. Aber es gab damals drei Geschmacksrichtungen. Schoko, Erdbeer und Vanille. Interessant war dabei, dass die Vorlieben für bestimmte Geschmacksrichtungen von der Herkunft des Kindes abhängig waren. War wirklich so, ich schwör. Es gab Schoko- und Erdbeer-Dörfer. Und dabei ist auch kein Kind aus der Reihe getanzt. Womit das zusammengehangen haben könnte, darüber könnt ihr gern mit mir spekulieren. Für die beste Idee gibt es einen Spekulatius. Wahlweise auch mit Schoko-Geschmack.

Wurzelwerk

Als Max die Musik hörte, zerschmolz sofort etwas in ihm. Niemand brauchte ihm etwas über den Status dieser Musik und ihr Verhältnis zu beispielsweise der Großen Fuge zu erzählen: das drückten schon die glänzenden Hemden mit den weiten Ärmeln aus. Aber zugleich hielt sich darin etwas verborgen, das bei Beethoven nicht vorkam und auch nicht bei Bach, und das er schon empfand, wenn er zu Hause auf dem Flügel die harmonische Zigeunertonleiter mit erhöhten vierten Noten spielte: den mitteleuropäischen-zigeunerhaften Schluchzer, der ihn wehrlos machte.

Harry Mulisch – Die Entdeckung des Himmels

Ich mag dieses Bild. Ich liebe dieses Bild. Von dem Mann, der komplett von der Musik ergriffen wird. Wie die Musik in ihn eindringt und Erinnerungen hervor bringt, die schon längst vergessen waren. Weil die Musik Teil von ihm ist und ein Stück seiner Herkunft. Und er darin in diesem Moment völlig aufgeht. Auch wenn der Autor das nicht so offensichtlich formuliert.

Heute gab es zwar keine echte Zigeunermusik auf der KulturArena. Aber Klezmer, von der Amsterdam Klezmer Band. Amsterdam, also der Stadt, in der Max das Zigeunerkonzert erlebte. Und ich mag dieses Bild eben auch deswegen, weil diese Musik Melancholie und Fröhlichkeit vereint. Und diese wirklich tiefe Traurigkeit, ganz egal ob in Judentum oder anderen Volksstämmen verwurzelt, kann man wohl nur wirklich spüren, wenn man die ganze Geschichte kennt, die dahinter steckt. Noch mehr natürlich, wenn die Geschichte in einem selber steckt. Wie bei Max.

Ich liebe ja auch dieses Buch. Weil es Leben verändern kann. Und Lebenseinstellungen. Weil es zeigt, dass nichts im Leben ohne Grund passiert. Alles baut aufeinander auf. Nichts kann allein existieren. Jeder Moment hat seinen Platz. Und wenn die Zeit, die man gerade durchmacht, noch so schwer ist, sie ist wichtig. Denn sie bereitet den Weg für schönere Momente. Das ist das Leben.
Und ich hoffe, die zwei Menschen, denen ich dieses Buch geschenkt habe, wissen genau das zu schätzen. Nicht jetzt, aber irgendwann einmal.