Tourgedanken (7) – Gewichtsprobleme

Als die Moderatoren bei Eurosport heut die Körpergewichte der vier Fahrer in der Spitzengruppe diskutiert haben, hab ich ja so gedacht, eigentlich ist es doch alles ganz simpel. Rein physikalisch gesehen gewinnt bei so eine Etappe, wo das Ziel direkt nach einer endlosen Abfahrt gelegen ist, der schwerste Fahrer. Und genau so kam es dann auch.

Trotzdem möchte ich kein Radprofi sein, die armen Menschen wiegen ja alle gut 10 Kilo weniger als ich.

Tourgedanken (6) – Ruhe nach dem Sturm

Das war ja was gestern, da hat man sich aber wirklich ein Päuschen verdient heute. Also nicht ich, sondern all die Menschen bei der Tour. Wobei Ruhetag ja nur bedeutet, einen Tag am selben Ort zu bleiben. Und auch wenn die Etappe gestern im Großen und Ganzen nicht so spannend war, der Schlussanstieg nach Prato Nevoso entschädigte dafür. Auf dem Papier sieht der gar nicht so gefährlich aus. 11 Kilometer mit durchschnittlich 6,9% Steigung, da lach ich als Mountain Biker ja eigentlich drüber. Auch wenn ich da nie so schell hochfahren werde, dass ich in einer Kurve stürzen könnte. Wobei mir das mit den breiten Reifen eh nie passieren würde. Wobei mit dem MTB auf der Straße fahren ja auch total doof ist.

Jedenfalls gab es da gestern endlich mal wieder Radsport, der glaubwürdig erschien. Nicht so wie in den Pyrenäen oder bei der Tour 2007. Gestern wurde Mann gegen Mann gekämpft. Und der Bursche unter den Männern, also Cadel Evans, hat Schwächen gezeigt. Aber es war wohl auch nicht sein Wetter. Wobei ihm so ein konstanter Anstieg eigentlich eher liegen sollte als richtige Rampen. Aber immerhin hat er bis ans Limit gekämpft, das macht ihn doch sympathisch. Und auch sein Free Tibet-Shirt unter dem Trikot.
Aber auch die anderen Fahrer in diesem Kampf waren beeindruckend. Wobei ich bei den CSC-Fahrern doch so ein wenig Zweifel habe. Aber ich glaube, wenn die medizinische Hilfsmittel benutzen, dann so schlau, dass sie nicht ans Äußerste gehen. Und so nicht Gefahr laufen, erwischt zu werden. Man weiß es nicht. Deswegen weiß man auch nicht, wo hoch nun wirklich die Leistung von Bernhard Kohl einzuschätzen ist. Das ist überhaupt das wirklich Traurige, dass man keiner erbrachten Leistung mehr traut und deswegen auch untereinander keine Vergleiche ziehen mag. Und trotzdem freue ich persönlich mich darüber, wenn ein so sympathischer Fahrer wie der Österreicher so ein Niveau zeigen kann. Er scheint ja selber darüber überrascht zu sein. Wäre schon ein schönes Bild, einen Österreicher im rot-weißen Bergtrikot am Sonntag in Paris zu sehen.

Hier noch meine persönliche Todo-Liste (ausgesprochen wie Dodo mit T) für den Ruhetag:

  • Traumjob besorgen
  • Tochter zeugen
  • Baum pflanzen
  • Haus bauen
  • das Coldplay-Orakel befragen
  • Fahrrad putzen

Tourgedanken (5) – Medienrummel

Überall (bei den Medien, die ich zum Großteil kenne, ist das vor allem Spiegel Online) wird momentan mal wieder darüber diskutiert, dass man von der Tourberichterstattung absehen müsste. Aus welchen Gründen auch immer. Ich verstehe es nicht und finde allein die Diskussion schon absolut daneben. Da ist die ASO, der Veranstalter der Tour de France, die endlich mal zeigt, dass es jemand im Sportgeschäft ernst meint im Kampf gegen das Doping. Und nun soll man sie dafür mit Missachtung bestrafen? Wo ist da die Logik? Was wollen wir denn eigentlich? Ich persönlich will keinen Radsport sehen, wie bei den Pyrenäen-Etappen letzte Woche. Wo offensichtlich gedopte Fahrer dem Rest des Feldes auf der Nase rumtanzen. Die die sauberen Fahrer verhöhnt haben. Deswegen bin ich froh, wenn man diese dann des Dopings überführt und aus dem Verkehr zieht. Und diese Fälle jetzt bei der Tour zeigen doch, dass das System funktioniert. Dass sich die Fahrer eben nicht mehr sicher sein können, nicht erwischt zu werden. Das ist ein Erfolg und als solcher sollte es dann auch in den Medien dargestellt werden. Warum man dies nicht macht, verstehe ich beim besten Willen nicht. Entweder will man keinen sauberen Sport, oder aber man hat die rosarote Brille, mit der man den Sport betrachtet, noch nicht abgesetzt. Dann wird es aber Zeit.

Und wenn man schon über einen Boykott nachdenkt, dann doch mal bei den Veranstaltungen, wo man das Doping stillschweigend duldet. Oder nur alibimäßig dagegen vorgeht. Über einen Olympia-Boykott will ich dabei gar nicht reden. Wer sich sowas anschaut, ist ja selber schuld. Manchmal klingt es ja in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender schon an. Dass die Spanier gerade Fußballeuropameister geworden sind und auch in anderen Sportarten momentan sehr stark sind. Auch weil in diesem Land selbst von staatlicher Seite das Doping unterstützt oder zumindest geduldet wird. Aber der Radsport ist ja momentan das leichtere Opfer.

Eine Anmerkung noch, ich bin natürlich nicht so naiv zu glauben, dass man bei der Tour alle Arten des Dopings finden könne und dass die Test allumfassend wären. Aber man befindet sich im Radsport trotzdem auf dem richtigen Weg, zumindest teilweise. Man kann den verseuchten Giro ja nicht mit der Tour vergleichen. In anderen Sportarten hat man allerdings noch nicht mal begonnen, auch nur einen Blick in die Richtung, die im Radsport eingeschlagen wurde, zu riskieren.

Tourgedanken (2) – Unglück und Dramatik

Das ist eben auch der Radsport. Man muss sich das mal klar machen, da fahren die um die 200 Kilometer durch Frankreich, sind gut 5 Stunden unterwegs, aber die wirklich dramatischen Situationen passieren erst kurz vor dem Zielstrich. Wenn die Fahrer schon am absoluten Limit sind. Wenn sie jeden Muskel im Körper spüren, wenn die Beine so schwer sind, dass man nur noch unbewusst tritt. Wer mal 5 Stunden ohne Pause auf einem Fahrrad saß, kann das nachvollziehen. Da spielt auch Doping so gut wie keine Rolle mehr.

Heute standen 195,5 km auf dem Programm und am Ende gab es eine Bergankunft. Kein wirklicher Berg, denn man war ja nur im Mittelgebirge, aber trotzdem anstrengend genug. Und es ist ja immer dramatisch, wenn der Fahrer im gelben Trikot stürzt. Noch dramatischer ist es, wenn er dadurch das gelbe Trikot verliert. Also nicht wortwörtlich, sondern der Verlust der Gesamtführung ist gemeint. Aber wenn dieser Fahrer 300 Meter vor dem Zielstrich stürzt und dadurch das Trikot verliert, das ist wohl einmalig. Dreihundert Meter, das sind gut 0,15% der Gesamtdistanz der Etappe, das ist eigentlich nichts. Die restlichen 99,85% hat die Mannschaft dieses Fahrers gearbeitet, ist wie doof durch die Landschaft gerast. Und haben es geschafft, ihren Teamkollegen in Gelb so gut an den letzten Anstieg zu bringen, dass dieser sogar um den Sieg mitfahren könnte. Aber der hat sich auf den Asphalt. Natürlich nicht freiwillig, aber mit Folgen. Dadurch verliert er ein paar Sekunden zu viel und ist die Führung los. Und damit das schöne gelbe Trikot.

Sturzfrei, aber nicht weniger dramatisch war es dagegen vorgestern. Es stand die längste Etappe auf dem Programm. 232 Kilometer, allerdings topfeben. Und da ist dieser französische Fahrer, der ganz in der Nähe des Zielortes wohnt. Das ist natürlich DER Tag für ihn bei der Tour. Er kennt diese Straßen ganz genau, schließlich ist das sein Trainingsrevier. Und es läuft sogar alles gut. Nach 11 Kilometern kommt es zum Ausreißversuch, erfolgreich. Drei Fahrer jagen vor dem Feld her. Einer davon auch aus dieser Gegend, vielleicht sogar ein Freund von unserem französischen Fahrer. Vielleicht ist man auf diesen Straßen bereits im Training miteinander gefahren. Und jetzt eben bei der Tour. Nach über 5 Stunden kommt das große Feld zwar immer näher an die Ausreißergruppe heran, aber ein bisschen Abstand ist immer noch. Sogar noch einen Kilometer vor dem Ziel. Unser französischer Fahrer nimmt sich nochmal ein Herz und greift an. Mit über 200 Kilometern in den Beinen, aber das haben ja alle an diesem Tag. Die Distanz zum Ziel wird immer kleiner und das Feld kommt nur ganz langsam näher, obwohl dort ein Höllentempo angeschlagen wird. Man kann nicht nachvollziehen, was in diesen Momenten in dem französischen Fahrer vorging. Falls er denn überhaupt noch in der Lage war, etwas zu denken. Aber man kann vielleicht ein wenig nachempfinden, wie groß seine Enttäuschung gewesen sein muss, als die ersten Fahrer des Feldes 50 Meter(!!!) vor dem Ziel an ihm vorbeirauschten. Und wahrscheinlich Freunde und Familie an der Strecke das Drama mit ansehen mussten. Der französische Fahrer hörte augenblicklich auf, in die Pedale zu treten.

Aber solche Geschichten gehen dann leider in der Statistik verloren. Da steht dann nur, dass am 9. Juli Nicolas Vogondy den 21. Platz belegt hat. Und am 10. Juli Stefan Schumacher mit 32 Sekunden Rückstand ins Ziel kam und damit in der Gesamtwertung nur noch den dritten Platz belegt. Mit 16 Sekunden Rückstand auf den neuen Gesamtführenden.

Tourgedanken (1)

Die ersten vier Etappen der diesjährigen Tour de France sind gefahren. Gestartet wurde diesmal mit einer richtigen Etappe statt eines Prologs. Meiner Meinung nach eine sehr gute Sache. Denn so ein Prolog, also ein kurzes Zeitfahren, hat sportlich gesehen recht wenig Wert. Und als Fernsehzuschauer hat man auch nichts davon. Nur für die Zuschauer an der Strecke ist das Ganze relativ spannend. Deswegen wurde die Prologe auch immer mehr aufgeblasen, zu riesigen Events. Aber so ein Spektakel wie letztes Jahr in London steht eben auch in Diskrepanz zum Stellenwert, die die Tour heute hat. Deswegen ist so ein Schritt zurück, ein Retro-Tourauftakt so zusagen, mit Sicherheit nicht falsch.

Nach dem ersten Zeitfahren gestern ist das Gesamtklassement auch erstmal sortiert worden. Und nun steht ein Deutscher ganz oben, darf also in Gelb fahren. Vor ein paar Jahren noch hätte die Presse diesen “Schumi auf dem Rad” mit solchen und ähnlichen Schlagzeilen in den Himmel gehoben. Heute wird erstmal die Vergangenheit des Radprofis durchleuchtet und die dunklen Flecken auf der Weste aufgezeigt. Kann man das in dieser Form gut heißen?

Meiner Meinung nach schon. Denn dieser Stefan Schumacher war nie ganz unumstritten. Zum einen sind da diversen Funde von Chemikalien in seinem Blut, die da nicht hingehören. Ebenso ein erhöhter Hämatokritwert kurz vor der WM 2007. Aber er wurde nie des Dopings schuldig gesprochen. Dann ist da aber noch eine zweite Sache, die mich persönlich an diesem Fahrer stört. Denn eigentlich hat der Herr Schumacher nichts im Profiradsport verloren, zumindest nicht zur Pollenflugzeit. Denn der Herr leidet unter starker Pollenallergie. Wie viele andere Radsportler auch. Denn die Medikamente gegen so eine Pollenallergie zählen eigentlich als Doping. Mit einem Attest kann man diese aber trotzdem nehmen. Der Herr Holczer, sportlicher Leiter des Teams Gerolsteiner, hat sich immer strikt gegen dieses “legale Doping” ausgesprochen. Hat immer gern auf die anderen geschimpft. Und dann den Herr Schumacher als Fahrer verpflichtet. Der meist kurz nach seiner Pollenallergiezeit seinen Leistungshöhepunkt hat. So wie eben gestern. Dagegen wollte der Herr Holczer einen Jörg Jaksche nicht verpflichtet, wegen ethischer Bedenken oder so. Weil der Herr Jaksche mal gedopt hat, dann aber gestanden und vor der Staatsanwaltschaft ausgepackt hat.
Dann viel Spaß mit dem gelben Trikot.

Aber es gibt auch Gutes zu berichten. So habe ich dank der Tour ein neues Schweizer Wort gelernt. Denn Exploit gibt es nicht nur im Englischen, sondern wird auch in der Schweiz verwendet, wenn es um den Sport geht. Nur werden solche großen Leistungssprünge im Radsport heute eher argwöhnisch, aber auf jeden Fall kritisch betrachtet. Zurecht. Ich hätte eh viel eher “dem Cancellara” den Sieg gegönnt, schon allein wegen dem Siegerinterview.

La Grande Boucle

Seit heute rollen die Räder wieder und surren über den Asphalt. Nicht nur in Frankreich, auch hier scheint das Radfahreraufkommen anzusteigen. Außerdem hat diese Tourzeit auch noch andere Nebeneffekte, die man als Radfahrer zu spüren bekommt. Plötzlich grüßen viel mehr Menschen, wenn man unterwegs ist. Weil so ein Radfahrer mit Helm wohl jetzt ganz anders wirkt. Überhaupt, um das mal nebenbei zu erwähnen, bin ich ja der Meinung, dass nur ein Radfahrer mit Helm auf dem Kopf als wirklich ambitionierter Radfahrer gilt. Denn so einen Helm trägt man entweder, weil man genau weiß, was ohne Helm passieren kann bei dieser Beschäftigung. Weil man es eventuell schon am eigenen Leib erfahren hat. Zu dieser Kategorie zähle ich auch. Oder man trägt ihn, weil man diesen Sport, oder als was man das Radfahrer eben betrachtet, so sehr liebt, dass man noch lange Zeit dieser Tätigkeit nachgehen möchte. Weil man insgeheim denkt, beim Radfahrern zu sterben wäre schon wunderbar, aber es muss noch nicht jetzt sein.
Aber zurück zu den Tournebenwirkungen. Man wird selbst von Fußgängern gegrüßt in diesen Zeiten. Ist wirklich wahr, ist mir heute passiert. Aber besonders schön sind die lächelnden Kindergesichter. Nur dieser kleine Junge, der heute Radfahren gelernt hat und angsterfüllt auf seinem kleinen Rad saß, weil er nicht wusste, wie er bremsen kann. Der sah nicht so glücklich aus, als wir uns begegneten.
Und es gibt sogar ein paar Autofahrer, die plötzlich etwas mehr Verständnis für einen Radfahrer zeigen. Sind zwar Ausnahmen und da der Radsport in den letzten Jahren an Bedeutung verloren hat, werden es auch immer weniger. Aber trotzdem ist es angenehm, nicht jedes Auto als potentielle Waffe sehen zu müssen.

Damit also zum heutigen Radsport. Ich gebe es gern zu, für mich ist es noch immer der großartigste Sport überhaupt. Und die Tour de France die wichtigste Veranstaltung. Ich habe mir heuer auch wieder ein Tour-Programmheft gekauft, was ich die letzten zwei Jahre nicht mehr gemacht hatte. Denn man muss es ganz klar sagen, es wird sehr viel von Seiten der Tourveranstalter im Kampf gegen das Doping getan. Und die Tour ist höchstwahrscheinlich das sauberste Radrennen derzeit. Und eben nicht so eine Farce wie es der Giro 2008 war.

Trotzdem bleibt die Frage, wie weit kann man den Fahrer trauen? Sind die Leute, die vorn dabei fahren können, denn sauber? Dazu einfach mal ein paar Worte zu zwei Fahrer aus dem Favoritenkreis. Alejandro Valverde hat ja bekanntlich heute die erste Etappe gewonnen und damit das gelbe Trikot erobert. Dieser Valverde steht aber auf der berühmt berüchtigten Fuentes-Liste und fuhr in Teams, die nachweislich von diesem Frauenarzt betreut wurden. Nein, an dem Satz ist nichts falsch. Aber es gab irgendeinen Deal und die Ermittlungen wurden eingestellt. Genaueres weiß man nicht.
Der Tourfavorit schlechthin für fast alle Experten ist aber (noch) der Australier Cadel Evans. Ein Name, der mir schon sehr, sehr lang bekannt ist. Cadel tauchte eines Tages im Mountain Bike-Zirkus auf, eigentlich aus dem Nichts, und fuhr alles in Grund und Boden. Und dies auf einem der hässlichsten und verachtenswertesten Räder überhaupt, einem Cannondale. Damals existierte aber das Wort Doping noch nicht im allgemeinen Wortschatz. Heute betrachtet man solche Leistungen, von denen es im MTB-Bereich nicht wenige gab in den letzten Jahren, mit anderen Augen. Was bestimmte Damen und Herren da an Leistungssprüngen hatten, war schon unglaublich. Auch ein Herr Rasmussen gehört zu diesem Kreis, der ja dieses Jahr nicht bei der Tour dabei sein darf, aber seine Teilnahme für nächstes Jahr wieder angedroht hat. Aber wir waren ja beim Cadel Evans, der irgendwann herausfand, dass man auf der Straße viel mehr Geld verdienen kann als im Gelände. Und so auf eben diese Straße wechselte. Anfangs mit sehr wenig Erfolg. Nicht weil ihm die Kraft oder Ausdauer fehlte, sondern weil er sich immer wieder auf den Asphalt schmiss. Weil der Typ einfach nicht im großen Feld fahren konnte. Und so saß er sehr oft am Straßenrand mit seinem weinerlichen Gesicht und gebrochenem Schlüsselbein. Bis er zu Mapei und später zu T-Mobile wechselte, zwei Mannschaften, in denen zu dieser Zeit systematisch gedopt wurde. Aber das Radfahren lehrte man ihm da auch und die Stürze wurden seltener.

Es ist also klar, beide Fahrer haben keine weiße Weste. Es ist aber auch so, dass beide, aber im besonderen Cadel Evans, mit absoluter Regelmäßigkeit immer einen oder mehrere schlechte Tage bei großen Rundfahrten hatten. Was wiederum gegen systematisches Doping sprechen würde, denn genau das soll dieses ja verhindern. Vielleicht vertragen sie das Doping aber auch einfach nicht so gut.

Man sollte das Ganze aber erstmal weiter beobachten. Und wenn wieder solche perversen Spielereien wie letztes Jahr an den Anstiegen abgehalten werden, ist die Sache klar. Dann heißt es wieder, sich dem Radsport ansich zu widmen und die Sieger links liegen zu lassen. Was wohl eh die gesündeste Einstellung ist, nicht nur in Hinsicht auf den Radsport, sondern den gesamten Leistungssport.

Aber bleiben wir noch kurz beim Radsport. Die Frage ist, hat sich wirklich etwas geändert seit dem letzten Jahr. Oberflächlich schon, schließlich fehlen einige Spitzenfahrer und ganze Mannschaften bei der Tour. Aber im Großen und Ganzen leider nicht, wie beispielsweise der Fall Jörg Jaksche sehr deutlich zeigt. Jaksche stand ebenfalls auf der Fuentes-Liste und hat nach einiger Zeit sein Doping auch gestanden und ist als Kronzeuge aufgetreten. Und was hat er heute davon? Seine Dopingsperre ist zwar abgelaufen und er könnte wieder Rennen fahren. Aber kein Rennstall wollte ihn verpflichten. Dazu muss man eigentlich nichts mehr sagen. Stattdessen geht die Entwicklung im Radsport in die komplett andere Richtung. Die Spitzenfahrer, die beim Doping erwischt werden, sitzen ihre Strafe brav ab. Und werden dann von zweitklassigen Teams verpflichtet, damit diese und die Sponsoren, die dahinter stehen, das schnelle Geld mit diesen machen können. Da steht man dann als Radsportfan leider machtlos daneben. Und möchte am liebsten kotzen.

Ebenso unangenehm ist der Umgang der deutschen Medien mit der Problematik. Unsere öffentlich-rechtlichen Sender berichten zwar wieder von der Tour de France. Aber jedes zweite Wort bei dieser sogenannten Berichterstattung ist “Doping”. Man soll das nicht falsch verstehen, natürlich soll und muss darüber berichtet werden. Aber wenn dann in der Tagesschau auf eine Reportage mit dem Untertitel “Ist sauberer Radsport möglich?” hingewiesen wird, möchte man am liebsten ganz laut schreien. Einfach deswegen, weil die Dopingproblematik von diesen Medien immer nur auf den Radsport beschränkt wird. Die wirkliche Frage ist doch: “Ist sauberer Leistungssport möglich?”. Aber diese Sender sind eben selbst teil des gesamten Systems, das merkt man deutlich. Ohne Spitzenleistungen gibt es keine hohe Einschaltquote. Und so wird eben alles auf den Radsport abgeschoben und in anderen Sportarten findet weiterhin das gemeinsame Geben von Alibis statt. Dabei ist es doch klar, dass keine Spitzenleistung heutzutage ohne medizinische Hilfsmittel mehr erzielt werden kann. Oder warum haben alle Ausdauersportler krankhaft hohe Hämatokrit-Werte. Ohne Ausnahme. Und ganz gleich ob es in der Leichtathletik, im Wintersport oder im Fußball, überall gehören medizinische Hilfsmittel dazu. Die Frage ist nur, ebenso im Radsport, was davon wird als Doping deklariert und welche Tests werden zugelassen, um die festgelegten Grenzen zu überprüfen. Das ganze System funktioniert so und wer das schnell ändern möchte, ist naiv. Vielleicht ist diese Lösung sogar die gesündeste, zumindest solange man eine allzu große Gefährdung der Gesundheit der Athleten ausschließen kann. Denn diese Athleten sind immer die armen Schweine. Diejenigen, die sich mit ihrer Berufswahl dafür entschieden haben, die Gewalt über ihren Körper in fremde Hände zu legen. Und so kann man auch die Reaktion eines Jan Ullrich jetzt verstehen, der sich von aller Welt im Stich gelassen sieht. Das Problem ist eben dabei, dass man die Zuschauern und Fans jahrelang belogen hat. Und es noch immer tut. Und das ist auch der Punkt, wo der Leistungssport/Profisport seine Daseinsberechtigung verloren hat.

Nun ist es natürlich schwer nachvollziehbar, warum ich mir das Ganze dann noch anschaue. Bei mir ist es zum einen natürlich die Liebe zum Fahrrad. Diese eigentlich ganz einfache Erfindung, in der aber so viel mehr steckt. Diese Maschine, mit deren Hilfe man relativ einfach hohe Geschwindigkeiten erreichen kann. Und das mit der eigenen Kraft. Und dazu noch seine Umwelt spürt. Den Wind, den Regen, die Hitze. Den Geruch der Natur. Heute roch der Wald beispielsweise ganz fruchtig und süßlich. Dazu steht man ständig in direktem Kontakt mit eben dieser Natur. Und ist völlig unabhängig, weil man einzig und allein Nahrung braucht, auf die man als Mensch ja eh angewiesen ist.
Und dann kann ich eben auch nachempfinden, welche Leistung diese Fahrer bei der Tour erbringen müssen. Denn ich kenne es, wenn die Beine schwer wie Blei sind. Wenn man sich einfach vom Rad fallen lassen möchte und trotzdem weiter tritt. Wenn man von Essen träumt, es schon riecht und schmeckt, aber noch kilometerweit fahren muss. Wenn man den Anstieg verflucht, nur um dann glücklich zu lächeln, wenn man ihn doch geschafft hat. Und dies alles erleben die Tourteilnehmer auch, ganz gleich ob mit oder ohne Doping.

Ach, ich könnte noch ewig weiter schreiben. Aber ich fürchte, es interessiert ja doch niemanden. Dafür freue ich mich schon auf meine nächste Radtour und auch auf das Tour schauen im TV. Auf Eurosport, natürlich.