Nein, es geht nicht um irgendwelche Finanzmarkt-Geschichten. Es geht um meinen ersten Arbeitsmontag. Bisher hatte ich ja den Montag immer frei. Heute nicht, weil ich momentan Urlaubsvertretung bin. Eigentlich ist so ein Montag aber nichts schlimmes, weil am Wochenende ja keine Post rein kommt. Eigentlich.
Erstmal begann es recht ungewöhnlich, weil ich mit dem Auto zur Arbeit fuhr. Mein armes Fahrrad ist ja kaputt. Hoffentlich nicht mehr lange. Denn es hieß so umsatteln auf das Firmenfahrrad. Ich mag es ja eh schon nicht, mit fremden Fahrrädern zu fahren. Schon gar nicht längere Strecken. Weil das ist ja auch eine Vertrauenssache. An meinen Fahrrädern kenne ich jede Schraube und habe jene eigenhändig festgezogen. Bei fremden Rädern nicht.
Und dann ist dieses Firmenfahrrad eben alles andere als toll. Eine Gurke ist das. Fährt zwar, aber nicht besonders leicht. Bremst zwar, aber nicht besonders kräftig. Es funktioniert eben, aber nicht besonders gut.
Schutzbleche hat es übrigens auch keine. Anfangs störte mich das wenig. Aber der Regen wurde ja immer stärker und hörte eben auch nicht mehr auf. Puh, es gibt echt angenehmeres.
Jedenfalls gurkte ich dann los. Und kam nicht besonders weit. Nach einer guten halben Stunde flog plötzlich was unter dem Reifen weg. Ich hatte schon Angst das Firmenfahrrad würde sich in seine Bestandteile auflösen. So schlimm war es aber nicht. Nur hörte ich schon ein pffft… pffft… pffft… mit jeder Radumdrehung. Platten. Eine halbe Bierflasche steckte im Reifen, naja, eine Glasscherbe beachtlicher Größe halt. Natürlich hat man kein Werkzeug oder so dabei, man muss ja Post transportieren. Also schob ich das Fahrrad zurück in die Firma, wo schon ein neuer Schlauch bereit lag.
Nun ist das aber so eine Sache mit den Schläuchen am Fahrrad. Besser gesagt, mit den Ventilen. Denn es gibt unterschiedliche. Hauptsächlich die bekannten Autoventile und die schmaleren Sclaverand-Ventile. Und na klar, Firmenfahrrad hat Sclaverand, Ersatzschlauch Autoventil. Dem aufmerksamen Leser fällt jetzt auf, das kann so nicht passen. Das Autoventil ist zu dick. Und es fand sich auch kein anderer Schlauch mit schmalem Ventil. Deswegen mal ein Tipp von mir an dieser Stelle. Es ist immer schlauer, Ersatzschläuche mit Sclaverand-Ventil zu haben. Ob daheim, auf Tour oder in einer Radkurier-Firma. Weil die dünnen Ventile problemlos auch durch große Ventillöcher passen. Umgekehrt funktioniert das nicht.
Okay sagt man sich da, flick ich eben den dummen Schlauch, damit kennt ich mich ja aus. Aber Pustekuchen. Ich weiß nicht warum, aber der Flicken wollte einfach nicht halten. Sowas ist mir noch nie passiert. Gibt doch immer wieder neues im Leben. Leider war es so früh am Morgen, dass alle Fahrradhändler, die ich kannte, noch geschlossen hatten. Aber zum Glück hatte dann doch jemand eine Idee und so lernte ich einen neuen Händler kennen. So neu ist der aber gar nicht, der gehört irgendwie sogar zur Familie. Jedenfalls wechselte ich dann dort endlich den Schlauch und nahm mit fast einer Stunde Verspätung meine Tour wieder auf. Dreckverschmiert noch dazu. Also klar hab ich mir die Hände danach ordentlich gewaschen, logisch. Trotzdem sitzt der Dreck halt in den kleinsten Poren und ich hab jetzt noch Hände wie ein Mechaniker.
Eine Stunde Verspätung heißt also durch den Regen hetzen. Mit dieser dummen Gurke. Freunde werden wir zwei, das Firmenfahrrad und ich, sicher nicht mehr. Trotzdem, nachdem meine Mittagspause sehr, sehr kurz ausgefallen war, war ich fast wieder im Zeitplan.
Dafür entdeckte man nachmittags noch zwei Kisten randvoll mit Post, die man am Morgen übersehen hatte und die noch von mir ausgefahren werden mussten.
So, schlimmer kann es eigentlich nicht mehr kommen. Also kann schon, und das ging mir heut auch oft durch den Kopf. Aber ich sprech es lieber nicht aus, damit habe ich schlechte Erfahrungen gemacht. Aber jetzt geht es eh aufwärts. Es wird wärmer und schöner. Und mein Fahrrad ist hoffentlich auch bald wieder gesund, ich brauch das doch.