Top of Berner Oberland 2020

Aufgrund der speziellen Situation im Corona-Jahr war die Suche nach einer schönen Tour schwieriger als sonst. Letztendlich habe ich mich kurzfristig für diese self-guided Variante entschlossen. Im Paket enthalten waren Übernachtung, Gepäcktransport und der Track.

1. Etappe | Thun – Sörenberg

Bereits am ersten Tag standen über 2’000 Höhenmeter auf dem Plan, ein ziemlich heftiger Auftakt. Ich schaffte es aber den Auftakt noch suboptimaler zu gestalten. Bereits auf dem ersten Kilometer lag ich am Boden, weil am Bahnhof Thun eine Frau unbedingt zum Bus rennen wollte und mich dabei einfach über den Haufen rannte. Zum Glück bis auf ein paar Schürfwunden ohne weitere Folgen, aber insgesamt sollte das nicht mein Tag werden. Zunächst ging das Zulgtal hinauf und über den Grünebergpass hinüber nach Habkern. Leider macht der Grünebergpass in dieser Richtung keinen Spaß, man schiebt bergauf und fährt dann auf der Straße bergab. Von Habkern ging es wieder bergauf zur Lombachalp, auch wieder recht langweilig auf der Straße, die bei der Hitze noch mehr Kraft aus dem Körper saugte.

Wolkiger Ausblick oberhalb von Habkern Richtung Dreigestirn.
Die Rückseite vom Augstmatthorn.

Weiter ging es durch die schöne Landschaft der Hochmoorebene. Das war sehr schön und nicht mehr so heiß wie im Anstieg. Aber in einer steinigen Abfahrt passierte es dann. Ich ging über den Lenker, schlug mit dem Gesicht auf den Steinen auf und das Display meines Navi zerschellte in tausend Einzelteile. Der Tag war gelaufen. Zwar ging es mir körperlich halbwegs gut, aber mit der Aussicht auf eine anstrengende Woche ohne richtige Navigation war ich erstmal bedient. Dazu kam die Müdigkeit von der Hitze, was schlussendlich zu einem dritten Sturz an diesem Tag führte, der mir noch mehr Schürfwunden und Hämatome bescherte. Immerhin erreichte ich noch vor den aufkommenden Gewittern das Hotel in Sörenberg.

2. Etappe | Sörenberg – Meiringen

Leider gab es in Sörenberg keinen Bikeshop und so startete ich ohne Navigation in den Tag. Bereits vor dem Start entschied ich mich, dem eigentlichen Etappenplan nicht zu folgen. Denn der versprach extrem steile Asphaltrampen mit 24% Steigung, darauf hatte ich bei der Hitze und mit dem geschundenen Körper keine Lust. Stattdessen für ich hinauf auf den Glaubenberg-Pass und entschied dort, nachdem ich mit dem Intersport in Stans telefoniert hatte, die Tour zu ändern und einen Umweg über Stans zu machen. Um dort ein neues Navi zu erstehen. Das passte auch soweit, von Giswil ging es nach Stans, dann die gleiche Strecke wieder zurück und hinauf nach Lungern. Dort wartete noch der Brünigpass und zog mir die allerletzten Kräfte aus dem Körper. Aber irgendwann war der auch überwunden und nach einer kurzen Abfahrt kam ich im Hotel in Meiringen an und konnte die Reserven wieder auffüllen.

An der Mörlialp mit Ausblick auf den Sarnersee.

3. Etappe | Meiringen – Interlaken

Die Reserven waren auch nötig, dann am 3. Tag stand die Königsetappe auf dem Programm. Über die Grosse und Kleine Scheidegg an einem Tag. Wer denkt sich sowas aus?

Blick auf den Rosenlauigletscher.
Das Wetterhorn auf dem Weg zur Grossen Scheidegg.
Blick von der Grossen Scheidegg zur Kleinen Scheidegg.

Der Anstieg zur Grossen Scheidegg war bis auf die Hitze und den Autoverkehr eigentlich ganz angenehm. Aber es dauerte länger als gedacht. Für den Nachmittag waren Gewitter angekündigt und der Himmel zog sich langsam zu.

Die Nordwand des Eigers.
Blick zum Jungfraujoch kurz unterhalb der Kleinen Scheidegg.
Blick von der Kleinen Scheidegg zur Grossen Scheidegg.

Nach einer Pause im vollen Grindelwald machte ich mich an den Anstieg hoch zur Kleinen Scheidegg (die etwas höher als die Grosse Scheidegg liegt). Obwohl ich den Weg schon mehrmals gefahren bin, schaffte ich es den falschen Abzweig zu nehmen und so schob ich das Bike über die steilsten Wege hoch zur Alpiglen. Am Eiger zogen sich immer mehr dunkle Wolken zusammen und bald war immer wieder Donnergrollen zu hören. Zum Glück zogen die Gewitter aber an mir vorbei und bis auf ein paar Tropfen erreicht mich kein Regen.

Die Felswand auf der Abfahrt von der Kleinen Scheidegg nach Wengen.
Blick hoch zum Jungfraujoch.

Oben auf der Kleinen Scheidegg war es zwar wieder voll, aber nicht so voll wie in den letzten Jahren. Allerdings war es auch schon nach 16 Uhr, als ich oben war. Immerhin lösten sich die Gewitter wieder auf und auf der Abfahrt nach Wengen kam die Sonne wieder raus. Von Wengen ging es die steile Abfahrt hinab nach Lauterbrunnen und dann noch weiter bis nach Interlaken, wo ich nach etwas Suche wieder kurz vor dem Gewitterschauer das Hotel erreichte.

Eiger, Mönch und Jungfraujoch in der Abfahrt nach Wengen.
Blick ins Lauterbrunnental.

4. Etappe | Interlaken – Gstaad

Die vierte Etappe sollte durch das schöne Diemtigtal hinauf zum Seebergersee und über den Stiereberg rüber nach Gstaad führen. Soweit der Plan. Kurz nachdem ich ins Diemtigtal abgebogen war und die ersten Höhenmeter hinter mich gebracht hatte, erwischte mich allerdings ein heftiges Gewitter. Über eine Stunde hockte ich unter einem Felsen, während der Regen immer stärker auf den Boden prasselte. Da für den Nachmittag weitere Gewitter angekündigt waren, entschied ich mich, das Diemtigtal wieder zu verlassen. Denn ich wollte bei einem weiteren Unwetter nicht irgendwo allein am Berg sein. Also fuhr ich zurück ins Simmental und dort dem Veloweg folgend bis nach Gstaad. Was anstrengender wurde als gedacht, denn es kamen doch einige Höhenmeter zusammen. Aber immerhin blieb es den Rest des Tages trocken. Eben bis das Hotel erreicht war, dann setzte sintflutartiger Regen ein.

5. Etappe | Gstaad – Schwarzsee

Die beiden letzten Etappen waren im Vergleich zu den ersten Tagen relativ einfach. Nur die Tatsache, dass mir langsam die Kräfte ausgingen, veränderte die Lage ein wenig. Deswegen gibt es auch keine Fotos mehr, ich war zu faul die Kamera nochmal aus dem Rucksack zu holen. Auch waren die Motive nicht mehr so spektakulär.

Von Gstaad ging es durch eine sehr abgelegene Landschaft Richtung Jaun. Der Boden war noch nass vom nächtlichen Unwetter, aber es war schön durch die fast menschenleere Gegend zu fahren. Nach der Mittagspause in Jaun ging es über den Euschelspass nach Schwarzsee. Der Pass verlangte nochmal viel Kraft und so machte ich gefühlt alle fünf Minuten Pause. Irgendwann war die Passhöhe aber erreicht und nach einer schnellen und eher langweiligen Abfahrt lag der dunkle Schwarzsee vor mir.

6. Etappe | Schwarzsee – Thun

Die letzte Etappe war wenig spektakulär, einfach weil sie mich durch bekanntes Terrain führte. Eigentlich sollte die Etappe auf den Gurnigelpass und dann eine echt langweilige Abfahrt hinab nach Blumenstein führen. Darauf hatte ich aber keine Lust, deswegen fuhr ich bis zum Gantrischseeli und dann über den Biketrail runter. Ab Blumenstein ging es über die Straße bis nach Thun, wo am Bahnhof mein Gepäck wartete und mich der nächste Zug bequem nach Hause brachte.

Daten

  • 1. Etappe: 65,55 km | 2’150 hm auf | 5:28:26 h Fahrzeit
  • 2. Etappe: 113.27 km | 1’991 hm auf | 6:02:00 h Fahrzeit
  • 3. Etappe: 68.38 km | 2’459 hm auf | 6:00:23 h Fahrzeit
  • 4. Etappe: 82.65 km | 1’454 hm auf | 5:05:11 h Fahrzeit
  • 5. Etappe: 47.60 km | 1’331 hm auf | 3:52:14 h Fahrzeit
  • 6. Etappe: 58.89 km | 1’237 hm auf | 3:56:20 h Fahrzeit

Der GPS-Track ist leider nicht vollständig aufgrund der Zerstörung des Navis auf der ersten Etappe.

Gesamtstrecke: 399.69 km
Maximale Höhe: 2052 m
Gesamtanstieg: 9849 m
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