The 31st year

Vorsicht Egoscheiße!!!

There’s easier ways to get lost
Are you terrified of phonecalls or a bad haircut?
If tonight you plan to go clear
There’s nothing like the 31st year

Im Nachhinein kann ich sagen, es ist ein gutes gewesen, das 31. Jahr. Im Großen und Ganzen zumindest. Gesundheitlich sind die Sorgen, die ich vor einem Jahr noch hatte, längst vergessen. Vielleicht geht es mir sogar so gut wie noch nie. Aber so genau kann man das eh nie sagen. Fakt ist, mein Körper funktioniert auch im hohen Alter bestens.

Zudem hat das 31. Jahr viele Veränderungen für mich gebracht. Ich habe Leistungen erbracht, auf die ich mit Stolz zurückblicken kann. Ich wurde belohnt für meine aufgewendete Energie. Und damit meine ich nicht nur, aber auch, die Alpenüberquerung.

Es gab natürlich auch Niederlagen und schmerzliche Verluste. Aber: „Man kann alles erzählen, nur nicht sein wirkliches Leben.“

Mal schauen was das Leben noch so bringen wird, bis es dann heißt:

Man, this moustache makes you look like a pimp
There’s no year like your 52nd

Prophezeiung

Ich stand heut am Bahnübergang, da kam ein älterer, netter Herr vorbei und erklärte mir, wie ich meinen weiteren Lebenslauf gestalten sollte. Vielleicht war das ja Gott, wer weiß das schon. Jedenfalls soll ich erstmal einen Beruf lernen, der mit Solartechnik zu tun hat. Weil das hat Zukunft. Und eine Familie soll ich dann mit 35 Jahren gründen. Und zwar mit einer 27-jährigen Frau. Die dann auch schon was verdient haben soll. Na spitze, dann wissen wir ja jetzt alle Bescheid, gell.

Gute Laune-Zwang

Es gibt eine neue Umfrage hier. Zu einem ganz aktuellen Thema. Dazu mal eben folgendes:

Ich lief heute durch die Stadt. Freie Tage sind schön, aber das nur nebenbei. Was mir dabei auffiel, war die hohe Anzahl trübe dreinblickenden Gesichtern. So viele Menschen mit leerem Blick. Mit grauen Augen. Mit trägem Ausdruck. Fast nirgendwo ein Lächeln. Klar, das hängt sicher auch mit der Jahreszeit zusammen. Und dem Wetter. Aber mal ehrlich, kann es so viele miese Leben geben? Oder machen die meisten Menschen sich das Leben nur selber schwer? Obwohl oder gerade weil sie nicht wissen, wie gut es ihnen eigentlich geht. Weil man bei all dem Ärger über Kleinigkeiten den Blick auf das Ganze verloren hat. Oder noch nicht gefunden. Denn das Leben funktioniert genau andersrum. Man muss sich an den kleinen Dingen erfreuen können, um das große Ganze zu überstehen. Um überhaupt bewusst zu leben. Klingt abgedroschen, ist aber so. Finde ich. Kinder können das noch. Sich über jede Kleinigkeit freuen. Eine wunderbare Eigenschaft. Also muss diese Fähigkeit ja noch in jedem Menschen stecken. Versucht also bitte, diese nicht zu verlieren. Um euch nicht selbst das Leben schwer zu machen. Weil das Grau mit Farbe durchsetzt werden muss. Finde ich. Und bin damit hoffentlich nicht allein.

Lustig fand ich dann die Vorstellung, dass all die missmutigen Gesichter beim Fasching, so heißt das hier, plötzlich lustig sind. Freiwillig? Kann ich nicht einschätzen. Ich weiß nur, dass das Grau danach bald wieder auf diesen Menschen zu sehen sein wird.

Wurzelwerk

Als Max die Musik hörte, zerschmolz sofort etwas in ihm. Niemand brauchte ihm etwas über den Status dieser Musik und ihr Verhältnis zu beispielsweise der Großen Fuge zu erzählen: das drückten schon die glänzenden Hemden mit den weiten Ärmeln aus. Aber zugleich hielt sich darin etwas verborgen, das bei Beethoven nicht vorkam und auch nicht bei Bach, und das er schon empfand, wenn er zu Hause auf dem Flügel die harmonische Zigeunertonleiter mit erhöhten vierten Noten spielte: den mitteleuropäischen-zigeunerhaften Schluchzer, der ihn wehrlos machte.

Harry Mulisch – Die Entdeckung des Himmels

Ich mag dieses Bild. Ich liebe dieses Bild. Von dem Mann, der komplett von der Musik ergriffen wird. Wie die Musik in ihn eindringt und Erinnerungen hervor bringt, die schon längst vergessen waren. Weil die Musik Teil von ihm ist und ein Stück seiner Herkunft. Und er darin in diesem Moment völlig aufgeht. Auch wenn der Autor das nicht so offensichtlich formuliert.

Heute gab es zwar keine echte Zigeunermusik auf der KulturArena. Aber Klezmer, von der Amsterdam Klezmer Band. Amsterdam, also der Stadt, in der Max das Zigeunerkonzert erlebte. Und ich mag dieses Bild eben auch deswegen, weil diese Musik Melancholie und Fröhlichkeit vereint. Und diese wirklich tiefe Traurigkeit, ganz egal ob in Judentum oder anderen Volksstämmen verwurzelt, kann man wohl nur wirklich spüren, wenn man die ganze Geschichte kennt, die dahinter steckt. Noch mehr natürlich, wenn die Geschichte in einem selber steckt. Wie bei Max.

Ich liebe ja auch dieses Buch. Weil es Leben verändern kann. Und Lebenseinstellungen. Weil es zeigt, dass nichts im Leben ohne Grund passiert. Alles baut aufeinander auf. Nichts kann allein existieren. Jeder Moment hat seinen Platz. Und wenn die Zeit, die man gerade durchmacht, noch so schwer ist, sie ist wichtig. Denn sie bereitet den Weg für schönere Momente. Das ist das Leben.
Und ich hoffe, die zwei Menschen, denen ich dieses Buch geschenkt habe, wissen genau das zu schätzen. Nicht jetzt, aber irgendwann einmal.

Das Wrack

Ein kleiner Dampfer liegt am Strand. Schon seit einigen Jahren. Seit er bei seiner Jungfernfahrt hier strandete. Und so rostet er langsam vor sich hin. Immer größere Löcher frisst der Rost in seine Wände. Wehrlos lässt er dies über sich ergehen.

Das Meer ist so nah, dass sein Geruch den Dampfer immer umgibt. Die Gischt spritzt an seine zerfressenen Bordwände. Und manchmal, wenn der Wind stark genug vom Meer her weht, umspülen die Wellen seinen Bug. Aber es ist todsicher, dass er niemals wieder durchs Wasser gleiten wird. Wie früher einmal.

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