Volljährige Einheit

Eigentlich wollte ich ja heute, am Tag der deutschen Einheit, einen Text schreiben. Wie das für mich so war damals. Warum die Einheit keine Einheit werden konnte. Dass eine ganz große Chance vergeben wurde, etwas besseres zu schaffen, statt einem System das andere aufzuzwingen. Wie schade es ist, dass noch heute so viele ein falsches Bild von der anderen Seite haben. Und wie schade es ist, dass oftmals das Interesse fehlt, etwas an dieser Tatsache zu ändern. Und ich wollte versuchen zu erklären, warum ich das heutige Deutschland nicht als mein Heimatland ansehen kann und warum ich mir hier so unwohl fühle. Auch warum der 3. Oktober ein ziemlich blöd gewähltes Datum für so einen Feiertag ist und der 9. November viel besser gewesen wäre. Und so Sachen eben.

Aber ich bin zu fertig vom Arbeiten und mir fehlt die Kraft, etwas zu formulieren. Vielleicht in zwei Jahren, zum 20. Jahrestag.

Außerdem ist es total fies, dass heute schönes Wetter ist, wo ich nicht fahren muss. Die gelbe Sau da oben!

9. November

Ich weiß ja noch genau, wie das vor 18 Jahren so war. Weil dieser Einschnitt in mein Leben (und nicht nur meines) damals sehr heftig war.

Die Eltern waren abends in der Kirche. Nicht weil sie an Gott glauben, sondern weil da ein Orgelkonzert war und man sich in dieser Zeit desöfteren in Kirchen aufhielt. Mein Bruder und ich wurden dann geweckt und die Mutter erzählte uns, die Grenzen wären offen und solche Sache. Begriffen habe ich es das auf die Schnelle damals nicht. Erst als wir dann im nächsten Tag in der Schule drüber geredet haben.

Zwei Tage später, am 4. Geburtstag meines Bruders, unternahmen wir dann den ersten Versuch einer Reise in den Westen. Wir sind aber Richtung Süden gefahren, Richtung Bayern. Weit kamen wir nicht, denn wir waren nicht die Einzigen mit dieser Idee. So standen wir den ganzen Tag im Stau. Eine ganz neue Erfahrung, schließlich waren früher die Autobahnen bei uns eher leer bis ganz leer. Und so ging es, wenn überhaupt, nur im Schritttempo voran. Mein Bruder durfte so auch mal lenken, das fand er natürlich großartig. Als es Nacht wurde und wir noch gut hundert Kilometer von der Grenze entfernt waren, drehten wir um (damals gab es noch keine Mittelleitplanken) und fuhren wieder nach Hause.

Ein paar Tage später gelang es uns dann aber doch und wir fuhren nach Erlangen, so wie das halb Jena damals getan hat. Dort gab es dann Begrüßungsgeld, Bananen und aber auch aufregende Dinge. Ananas im Stück und nicht in der Dose. Und viele unbekannte Obstsorten, vor allem diese Kiwis mit den Haaren dran waren damals sehr interessant für uns.

Ja, so war das damals.

Tag der deutschen Einheit

Ich sollte hier vielleicht mal wieder was schreiben, glaub ich. Auch wenn es nicht viel Neues gibt. Und mir auch die Motivation fehlt.

Konzertmäßig gibt es eh nichts zu berichten. Und das wird sich voraussichtlich erst Ende des Monats ändern. Darauf freue ich mich schon sehr. Aber ob es dann dazu auch einen Bericht gibt, wage ich zu bezweifeln. Ich will das lieber voll und ganz genießen. In mich aufsaugen. Ja.

Heute war mein erster Arbeitstag. Seit ein paar Wochen. Und ich war froh darüber. Nicht weil die Arbeit so toll ist und ich die vermisst hätte. Nein, ich war froh über die Ablenkung. Und meine Zeit ohne Rivella ist vorbei. Zum Glück. Das Zeug tut gut. Ist natürlich nur eine Einbildung meinerseits, aber besser als nichts. Ich habe es echt vermisst. Vor allem wegen dem Gefühl, das mit dem Geschmack verbunden ist.

Morgen ist übrigens Tag der deutschen Einheit. Soll der Onkel Danny euch was dazu erzählen, Kinners? Also ich kann mich noch ganz gut an diese Zeit erinnern. Das war sehr aufregend für uns. Die Wende. Ich bin damals in die 6. Klasse gekommen. 1990. In den Sommerferien sind wir von der Schule aus an die Ostsee gefahren. Das besondere an der Fahrt war, dass wir zum ersten Mal mit Westgeld ausgestattet waren. Wo genau wir da waren, weiß ich nicht mehr. Irgendwo an der Ostsee. Da haben wir Ärger mit den Älteren bekommen, weil wir von denen eine Kassette mit unserer Musik überspielt hatten. Unsere Musik war rumtrommeln auf diversen Gegenständen und eigenartigen Laute dazu. Und eines Tages waren wir am Strand und der Mann unserer Klassenlehrerin hatte eine Bild-Zeitung. Da stand dann drin, dass man sich auf den 3. Oktober als Datum für die Wiedervereinigung geeinigt hatte. Mehr verbinde ich mit diesem Tag aber nicht. Es gab viele wichtigere Daten zur Wendezeit. Dieser 3. Oktober war einfach nur ein festgelegtes Datum. Ohne wirklichen Bezug. Man hätte lieber den Tag des Mauerfalls wählen sollen, das dachte ich mir schon damals. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close