Ich habe die knapp 450 Kilometer, die knapp 10.000 Höhenmeter, die sieben Etappen als eine Art Tagebuch zusammengefasst. Viel Spaß beim Lesen!

1. Tag | Sebnitz – Lausche


Es ist heiß, die Sonne brennt vom Himmel. Zum Glück sind wir die meiste Zeit im Wald unterwegs. Die Grenze zu Tschechien wird nach kurzer Zeit bereits zum ersten Mal passiert. Unzählige Übertritte werden in den nächsten Tagen folgen. Am Nachmittag erklimmen wir einen Aussichtsturm. Sehr hoch, mit vielen Stufen. Um uns einen Überblick zu verschaffen. Das Riesengebirge ist noch weit entfernt. Am Abend geht es hoch zur Lausche, ein sehr sehr steiler Anstieg. Jabba und ich schaffen es vergleichsweise weit hinauf, bis die letzten Meter geschoben werden. Oben schmilzt der Teer vor sich hin und wir machen Fotos. Nach kurzer Abfahrt mit Haarnadelkurven ist das Tagesziel, eine Baude, erreicht. Mit sehr kleinen Bettchen und zwei Duschen für alle sechs Geländeradfahrer. Am nächsten Morgen entdecke ich die großen, unbenutzten Gemeinschaftsduschräume.

Daten: 53,28 km | 1.300 hm | 04:05:15 h Fahrzeit

2. Tag | Lausche – Jizerka


Keine Hitze mehr, stattdessen Regen bereits nach wenigen Minuten. Zum Glück schützt der Wald auch dagegen. So schlagen wir uns die ersten Kilometer immer entlang der Grenze durch den Wald. Nach einer kurzen Abfahrt gibt es Probleme. Das Rad des Guides hat einen Platten. Die Situation eskaliert, es werden drei Platten daraus und wir hängen über zwei Stunden fest. Die Stimmung in der Gruppe schlägt langsam um. Leider kommen noch Schwierigkeiten beim Finden des korrekten Weges durch unseren Guide hinzu. Wir kommen langsamer voran als geplant und die Angst, rechtzeitig zum Abendessen im Ziel zu sein, steigt minütlich. Nach einer feinen Abfahrt geht es quälend lange bergauf. Auf Asphalt. In der zurückgekehrten Hitze. Das schlaucht ungemein. Und die Zeit wird knapper und knapper. Irgendwo mache ich noch ein Bild von einer Aussicht. Endlich oben angekommen ist klar, dass das Abendessen aufgrund der Verzögerungen auf sehr wackeligen Füßen steht. Kurz bevor Kannibalismus in der Gruppe um sich greift, setzt Regen ein. Fürchterlicher Regen. Es schüttet aus allen Kübeln. Sofort sind alle bis auf die Haut durchnässt. Die letzten Kilometer werden zur Tortur, aber zum Glück im Unglück alles auf asphaltierten Wegen. Mir läuft Wasser in die Augen und die Brille beschlägt, deswegen kann ich nicht sagen, wie wir Jizerka erreicht haben. Gruselig ist das alles, der Regen, der Donner, die Blitze. Aber es gibt noch Essen, sogar sehr leckeres. Und jedes Zimmer hat eine eigene Dusche. Jizerka selbst ist im Gewitter gruselig. Aktuell hat der Ort acht Einwohner, aber vermutlich leben noch dazu hunderte Geister hier. Einer ist in meiner Tacho geschlüpft und hat ihn getötet. Vielleicht war es aber auch nur der Regen.

Daten: 82,23 km | 1.735 hm | 05:45:43 h Fahrzeit

3. Tag | Jizerka – Przesieka


Am Morgen strahlt die Sonne, als sei nichts gewesen. Nur der Geist in meinem Tacho lässt die Scheibe beschlagen und mich nichts auf dem Display erkennen. In Nove Mesto testen wir die angelegten Singletracks. Das ist anstrengend und macht Spaß. Aber unter uns gesagt, mir machen echte, natürliche Trails doch irgendwie mehr Spaß. Dem Jabba auch. Wir fahren nach Polen rüber und rauf auf einen Berg. Der Anstieg ist sehr heftig. Meist über 20 Prozent steil, lang und die Sonne knallt von oben. Auf dem Berg weht aber ein angenehmer Wind und bald kämpfen wir uns durchs Hochmoor. Man fühlt sich zum ersten Mal wie im richtigen Gebirge, weil über der Baumgrenze. Nach einer superfeinen, aber vom Guide als extrem schwierig angekündigten, Abfahrt, kommt es zur Eskalation. Die Wege unserer Sechsergruppe trennen sich, was sehr bedauernswert, aber eben auch nachvollziehbar ist. Zu viert machen wir uns auf dem Weg zum Hotel. Ein sehr komfortables und hübsches Hotel. Dort bekommt das Jabba die einzige Dusche während der Tour. Das sind hier halt nicht die Alpen, wo man jeden Tag einen Waschplatz fürs Rad hat.

Daten: 79,53 km | 1.589 hm | 05:35:28 h Fahrzeit

4. Tag | Przesieka – Pec pod Snêžkou


Heute steht beides auf dem Programm, Radtour und Wanderung. Mit geputzten Rädern geht es Richtung Schneekoppe, rein in den Touristentrubel. Vorher besichtigen wir noch eine eindrucksvolle Holzkirche. Danach werden die Räder auf knapp 1000 Meter Höhe zurückgelassen und die restlichen 600 Höhenmeter rauf zur Schneekoppe per Fuß in Angriff genommen. Dunkle Wolken ziehen über diese hinweg und wir beeilen uns, noch immer beeindruckt von der Regengewalt zwei Tage zuvor. Also schnell rauf auf die Schneekoppe, Fotos machen und fix wieder runter. Oben weht ein sehr starker Wind und es sind viele Menschen unterwegs. Die Landschaft ist fast alpin, aber man hört keine Kuhglocken wie in den Alpen. Nach dem Abstieg und einer kurzen Rast lassen wir den Trubel schnell hinter uns und kurbeln bald wieder allein durch den Wald. Der Anstieg ist unangenehm ruppig, zumindest für alle ohne Jabba, welches hier die Trümpfe seiner Hinterradfederung voll ausspielt. Die Wolken werden immer dunkler und bedrohlicher, tatsächlich gewittert es direkt neben uns. Aber mit großem Krafteinsatz schaffen wir es fast trocken ins Hotel. In Pec wartet dann das beste Essen der Tour auf uns und wir feiern ein bisschen. Denn mehr als die Hälfte ist geschafft, ab jetzt geht es wieder zurück Richtung Westen.

Daten: 53,21 km | 1.722 hm | 04:02:23 h Fahrzeit

5. Tag | Pec pod Snêžkou – Malá Skála


Es regnet am Morgen und es ist kalt. Außerdem merke ich deutlich die Anstrengungen des letzten Tages. Keine guten Aussichten. Im Regen kurbeln wir wieder hoch auf über 1000 Meter Höhe. Danach geht es hauptsächlich bergab. Es wird wieder etwas wärmer. Trotzdem vergesse ich aus Schwäche die GPS-Aufzeichnung nach der ersten Pause wieder zu starten. Fotos mache ich auch nur noch, um Verschnaufpausen einzulegen. Kurz vor Mala Skala klettern wir noch auf einen Felsen, was mit Radschuhen nicht ganz einfach, aber eine schöne Abwechslung ist. Im Hotel dann zwei angenehme Überraschungen: trotz elend langer Wartezeit ein gutes Essen und ein Einzelzimmer für mich.

Daten: 72,43 km | 1.336 hm | 04:38:59 h Fahrzeit

6. Tag | Malá Skála – Hermanice


Wieder Regen am Morgen, zum Glück ist es aber wärmer als gestern. Und es geht nur bergauf, bis auf über 1000 Meter Höhe. Der Jeschken wird erklommen. Dort ist alles grau. Im Restaurant ist es zwar warm, aber der Ausblick in eine graue Wand nicht sonderlich aufregend. Nach einer kniffeligen Abfahrt und ein paar Stunden Kurbelei wird es immer sonniger. Kurz vor Ende verlieren wir noch einen Fahrer, da der sein Rad zerlegt. Zu dritt erreichen wir das Etappenziel und es bleibt noch Zeit zur Erkundung. Immerhin hat der Ort viele Schafe und Häuser mit Raketen im Vorgarten zu bieten. Trotzdem bin ich verwundert, dass ich überhaupt noch laufen kann.

Daten: 56,10 km | 1.441 hm | 04:09:04 h Fahrzeit