The Andrew Woods – weiße Männer im schwarzen Schaf

Das war wieder so ein Konzert, wo ich am liebsten nichts dazu schreiben möchte. Weil meine Worte gegen das Erlebte immer blass wirken und ich niemals alles wirklich rüberbringen kann. Aber ich werde es trotzdem versuchen. Damit die, die nicht dabei sein konnten, zumindest eine ungefähre Vorstellung davon bekommen, was sie verpasst haben.

Nach dann doch erfolgreicher Suche nach etwas Essbarem machte ich mich auf dem Weg zum schwarzen Schaf und wurde prompt herzlich begrüßt. Der Club füllte sich auch immer mehr und irgendwann betrat die Vorband die Bühne. Missent to Denmark, vier junge Musiker aus München, wenn ich das recht in Erinnerung habe. Und sie hatten den optimalen Auftakt für ihren Auftritt gewählt. Einen Song, der ruhig begann und sich dann immer mehr steigerte. Danach dann das Wettervorhersagen-Lied, was meiner Meinung nach ihr bestes ist. Zumindest von den dreien, die ich bisher kannte. Bei den sehr ruhigen Stücken wirkt es manchmal doch eher dröge, aber dieses schnelle und fröhliche Stück Musik bringen sie sehr gut rüber. Überhaupt war es ein sehr guter Auftritt, die Lieder die ich schon kannte, klangen live nochmals besser. Diese Band hat wirklich Potential, würde ich sagen. Sie haben natürlich auch einen tollen Schlagzeuger, der bei der nächsten Band dann nochmal auf der Bühne zu sehen war.

Dann also der Hauptact, fünf Männern ganz in weiß gekleidet, die sich The Andrew Woods nannten, manchmal aber auch Cosmic Casino. Zum ersten Mal also zu fünft. Und das sah nicht nur gut aus, das klang auch mindestens genauso toll.
Das Schaf war nun auch sehr gut gefüllt. Ich habe ja noch nie so viele Leute bei einem CC-Konzert erlebt, das wurde aber auch mal Zeit. Am Anfang herrschte schon noch eine gewisse Zurückhaltung im Publikum und vielleicht auch etwas Nervosität auf der Bühne. Aber nach einiger Songs hatte man sich aufeinander eingespielt, also Band und Publikum, und die Stimmung stieg immer weiter und weiter. Und es war verdammt nochmal sehr geil, da dabei sein zu können. Das ist dann auch der Teil, zu dem mir einfach die Worte fehlen. Wie soll man das auch beschreiben? Da ist diese Band, die einem wirklich viel bedeutet, man spürt dass es für alle ein besonderer Abend ist und es funktioniert, es baut sich eine Stimmung auf, die jeden glücklich macht, der sich darauf einlassen kann. Einfach nur großartig.

Und es gab viele tolle Momente während des Auftritts, die im Gedächtnis verweilen werden. Wie Zoe ihren Song gewidmet bekommt (ich wäre als Kind wohl geplatzt vor Stolz, aber nur innerlich, äußerlich wäre ich total cool geblieben). Oder die Darbietung von „this is Munich“. Das war zwar kein Gänsehautmoment, dazu hat einfach die Ruhe und der Ernst gefehlt, aber trotzdem toll. Dann das erste Mal „love manipulation“ live gespielt. Was schon recht gut geklappt hat, da kann man nichts sagen. Und was auch seine Wirkung nicht verfehlt hat, zumindest bei mir persönlich nicht, so in mir drin eben. Sehr fein auch der Gastauftritt vom Roman Fischer bei „repeat love pattern“. Auch wenn man kurz Sorge haben musste, ob er sich auf dem Weg zur Bühne vielleicht verlaufen hatte. Und dann Richs Ausflug ins Publikum. Und Thoenies krasses, unglaubliches Wahnsinns-Gitarrensolo. Dann, ein ganz besonderer Moment. Die „Die Sportfreunde sind super Typen, super Freunde, die beste Band der Welt und wir lieben die halt einfach!“-Coverversion von „ein Kompliment“. Ganz große Geste. Und natürlich der Benni, der allein zur Zugabe kommt und mit leuchtenden Augen erzählt, wie er dazu gekommen ist, jetzt in der Band spielen zu können, die er immer so bewundert hat.

Was auch nur allzu verständlich ist, diese Bewunderung. Die, meiner Meinung nach, leider noch viel zu wenig Menschen teilen. Warum weiß ich nicht. Musikalisch gesehen ist das ganz große Klasse, was diese Band drauf hat. Die Konzerte sind immer wieder ein tolles Erlebnis, egal wie zahlreich das Publikum ist. Aber irgendwann wird jeder mal für seine Arbeit belohnt. Die besten Argumente besitzen die Fünf jedenfalls. Die beiden Neuen waren sehr überzeugend und es wurden natürlich nicht nur alte Kracher, sondern auch neue Songs gespielt. Und damit ein Vorgeschmack auf das neue Album gegeben, dass Anfang nächsten Jahres erscheinen soll. Und diese Songs sind ohne Ausnahme einfach nur großartig. Da passt alles. Insgesamt scheinen sie leichter und nicht so dunkel zu sein, wie beim Balladenbastard. Man kann sich also auf etwas Großes freuen, da bin ich mir sicher.

Den Rest der Nacht hat dann das Seattle Soundsystem die älteren Besucher in ihre musikalische Vergangenheit geschickt, mich also auch. Das war schon ein Erlebnis. Auch wenn ich den meisten Spaß an den Liedern hatte, bei denen sich die Tanzfläche leerte. Ich war halt früher schon total indie. Als die Nacht dann vorbei war und es langsam wieder hell wurde, machte ich mich dann auch auf dem Weg zum Hotel. Immer mit dem Gedanken im Kopf, dass sich die weite Fahrt und alles hundertprozentig gelohnt haben.
Danke an alle, die dazu beigetragen haben.

1 Kommentar zu „The Andrew Woods – weiße Männer im schwarzen Schaf

  1. hach, das waren noch zeiten…

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