Vom Münster auf den Gurten und hinab in den Garten

Es wird Zeit für ein musikalisches Update, denn der Sommer hielt doch ein, zwei Highlights für mich bereit.

Ende Juni durfte ich an einem kleinen und sehr feinen Konzert teilhaben. Die wunderbare Jaël lud ein, um die Songs ihres neuen Albums vorab zu hören. Der Ort der Veranstaltung war ein ganz besonderer, denn er lag über der schönsten Altstadt der Welt, im Turmzimmer des Berner Münsters. Dort konnte man nicht nur die grandiose Aussicht inklusive Sonnenuntergang betrachten. Beim Apéro blieb auch Zeit für nette Gespräche. Im Vordergrund stand aber die Musik und alle Lieder des neuen Albums wurden gespielt und mit Geschichten zu den Liedern umrahmt. Eine sehr feine Sache, denn so kann man bereits eine Beziehung zum Album aufbauen und so ebenjenes zu etwas besonderem machen. Zum Abschluss gab es mit „Through your eyes“ einen Lunik-Hit und es blieb der Gedanke, dass sich das Lied nun vom Münster aus in der ganzen Stadt verbreitet und den Menschen im Gehör hängen bleibt und sie gar nicht wissen, woher diese Musik kommt.

Danach ging es wieder zum Gurtenfestival, den Bericht dazu findet man wie gewohnt bei Mainstage. Direkt im Anschluss fuhr ich hinab in die Stadt zum Gartenfestival. Dieses bot eine kleine Bühne im Hinterhof des Café Kairos und auf ebenjener spielte Anna Aaron. Und das war bei weitem besser als das gesamte Gurtenfestival. Nicht nur weil es so schön ist, ihren Gesang live zu hören. Ihr Auftritt machte Spaß und sie brachte das Publikum schnell auf ihre Seite. Auch die neuen Lieder, die gespielt wurden, klangen schon sehr gut in den Ohren. Und eben, dafür dass sie da so eben mal allein das Gurtenfestival in den Schatten stellte, sollten ihr ein größeres Publikum und mehr Auftritte gehören.

Album des Jahres Zwanzigvierzehn

Jahrescharts Alben 2014
Jahrescharts Alben 2014

Das Musikjahr Zwanzigvierzehn stellt glücklicherweise einen besseren Jahrgang als das Vorgängerjahr dar. War Zwanzigdreizehn die Anzahl guter Alben noch sehr überschaubar und ließ den Appetit auf neues Material von den Stars oder der Broken Social Scene riesig werden, so gab es dieses Jahr die Befriedigung dieser Bedürfnisse und ein paar Überraschungen noch obendrein.

  1. Anna Aaron – Neuro: Logischerweise mein Album des Jahres. Weil es einfach das beste Album des Jahres ist, in all seiner Vielfalt und dem Mut, der in diesem Stück steckt. Aber auch, weil die Lieder live nochmals so viel besser sind, die Musiker sich so grandios entwickelt haben und ich sie so wahnsinnig gern live gesehen habe. Beim großartigen Konzert in Berlin, in kleinem Kreis in Köln und natürlich daheim in der KulturArena. Und natürlich verbinde ich mit diesem Album auch das allerbeste Interview des Jahres, wahrscheinlich das Gespräch mit dem größten Tiefgang in diesem Jahr, trotz megagroßer Aufgeregtheit meinerseits. All das zusammen macht aus Neuro mein Album des Jahres, mit großem Abstand.
  2. Stars – No One is Lost: Irgendwie schaffen es die Stars halt immer wieder, das Leben in Musik zu packen. Mit allen Höhen und Tiefen. Bei diesem Album mehr Höhen als Tiefen, auch ein Grund weshalb ich mich so sehr auf die Konzerte freue. Nur noch drei Wochen, dann kann dieses Album endlich gebührend zelebriert werden.
  3. Beatsteaks – Beatsteaks: Das Album für den Start in den Tag. Wenn last.fm noch nach Zeitpunkt des Hörens auswerten würde, würde genau dies dabei rauskommen. Ich hab es oft am Morgen gehört, um gut in den Tag zu kommen. Das Album ist kein großes Meisterwerk, es ist aber wahnsinnig sympathisch, wie die Beatsteaks selbst eben auch. Und nach einigen Enttäuschungen von dieser Band war ich überrascht, wie gut das Album bereits nach den ersten Durchläufen gefallen konnte. Gut gemacht, Beatbulletten.
  4. Kevin Drew – Darlings: Zwar kein neues Broken Social Scene-Album, aber fast so gut. Kevin Drew hat ein gutes Herz und packt seine Gedanken in große Songs. Außerdem ist Feist mit dabei und überhaupt, dieses Album gehört in jedes Musikherz.
  5. LaBrassBanda – Kiah Royal: Das wurde in einem Kuhstall aufgezeichnet. Und das hört man. Das Muhen. Ich mag das sehr. Die Musik ist aber auch wunderbar.
  6. INSTRUMENT – Read Books: Großartige, wunderbar vielschichtige Rockmusik. Wurde von mir auch rezensiert. Und wäre sicher auch weiter vorn gelandet, wenn ich die Musik denn auch mal live hätte erleben können. Leider wurde das Konzert abgesagt und eine andere Möglichkeit hat sich nicht ergeben. Sehr schade.
  7. Clueso – Stadtrandlichter: Da steckt ganz viel Heimat drin. Und Kindheitserinnerungen. Das hat der Clueso echt gut gemacht. Leider sind die Konzerte zu groß und damit zu unattraktiv für mich, um auch da freizudrehen.
  8. Heidi Happy – Golden Heart: Der Start war schwierig mit diesem Album. Aber nach dem Konzert in Leipzsch und vor allem dem zweitbesten Interview des Jahres, fand ich den Zugang zu diesem Werk. Und kann es jetzt nur weiterempfehlen. Damit zukünftig mehr Besucher zu den Konzerten kommen und ich nicht mehr frustriert direkt im Anschluss ans Konzert einen Bericht in meinen Rechner auf dem Hotelbett kloppen muss.
  9. Mighty Oaks – Howl: Ich bin noch immer der Meinung, dass die EP besser war. Gut ist das Album trotzdem. Und der zugehörige Auftritt in der KulturArena war halt auch grandios.

Das Album, welches ich jetzt ausgelassen habe, ist von 2013. Und ich habe es lange nicht mehr gehört und kann deswegen nichts drüber schreiben. Aber gut ist es trotzdem und wird genauso wie all die anderen weiterempfohlen von mir.

Ich wünsch mir für Zwanzigfünfzehn übrigens ein neues Nada Surf-Album plus Tour. Das wäre ne feine Sache.

Geschichten aus Jena und der Schweiz, da wo es am schönsten ist.

Mist, der Urlaub ist vorbei. Aber das ist auch die Gelegenheit, Geschichten aus dieser wunderbaren Zeit zu erzählen.

Anna Aaron | 20.08.2014 | Kulturarena, Jena | © Felix Brodowski

Begonnen hat es mit einem großartigen und wundervollen Konzert in der Kulturarena in Jena, die die Anna Aaron erobert hat. Wie schon geschrieben hatte ich mich darauf sehr gefreut und wurde nicht enttäuscht. Nur ein paar mehr Zuhörer hätte die Veranstaltung verdient. Einen Konzertbericht von mir gibt es bei der Mainstage und, ganz wichtig, ebenso hat es da auch wundervolle Fotos, die mein Bruder gemacht hat.

Außerdem begab ich mich zusammen mit dem Jabba wieder auf die „Rund um Jena“-Tour, als Test für den anstehenden Alpencross. Es war die Hölle, ich hatte absolut keine Kraft und musste den ganzen Tag kämpfen. Aber das Wetter war bestens und ein paar Bilder habe ich auch gemacht.

Blick auf Jena mit Lageplan
Blick auf Jena mit Lageplan

Kunitz von oben
Kunitz von oben

Die Reste der Kunitzburg
Die Reste der Kunitzburg

Windräder bei Oßmaritz
Windräder bei Oßmaritz

Und dann war da noch der Hauptgrund für den Urlaub, eine wunderbare Tour mit einem Haufen supernetter Menschen quer durch die Schweiz. Getauft auf den Namen „Alpencrössli“. Die Bilder davon und ein paar Worte von mir kann man auf der Extraseite finden.

Jabba und ich, die Bezwinger der Berge.
Jabba und ich, die Bezwinger der Berge.

Und damit verabschiede ich den August und freue mich schon auf sein nächstes Auftreten.

When it’s over and the lights are off

Klein aber fein ist die Blue Shell in Köln. Ich war zwar erst zum zweiten Mal da, aber habe mich sofort wieder wohl gefühlt. Das erste Mal war 2012 beim Konzert von Instrument. Und wie damals war auch diesmal die Bühne eigentlich viel zu klein für vier Musiker. Und der Sound eigentlich zu schlecht für die wunderbare Musik. Aber das war alles zweitrangig. Denn die Nähe zwischen Publikum bedeutet eben auch, dass man jeden Atemzug, jede Geste mitbekommt und so noch mehr als sonst spüren kann, wie sehr die Musiker ihre Musik leben.

Über zwei Wochen liegt das großartige Konzert von Anna Aaron in Berlin zurück und auch für die Band war es das erste Konzert seit diesem Abend. Osterferien vorbei. Und im Vergleich zu Berlin war das Konzert etwas weniger energisch und weniger heftig. Was aber auch nicht in die kleine Blue Shell gepasst hätte. Das wunderbare Zusammenspiel der Musiker war aber mindestens so gut wie in Berlin. Obendrein wurden die Songs noch mehr zelebriert, länger und ausufernder dargeboten. Was das Publikum gern annahm und jedes Lied auskostete, bis der letzte Ton verklungen war.

Für mich persönlich ist es eine riesige Freude beobachten zu können, wie sich diese Musiker weiterentwickeln. Nicht nur so Kleinigkeiten, dass eine Nebelmaschine (da stand eine riesige Gasflasche auf der kleinen Bühne, die dafür verantwortlich war) und neue LED-Lichter eingesetzt wurden. Sondern vor allem mit welcher Freude und Perfektion die Musik gespielt wird, das macht einfach Spaß. Denn das sieht man nicht nur, das spürt man am ganzen Körper. Auch bei schlechtem Sound wie in der Blue Shell.

Gleichzeitig habe ich aber auch immer wieder an die Kulturarena in Jena denken müssen. Denn am 20.08. wird Anna Aaron da auftreten und verdammt, ich freu mich wahnsinnig darauf. Weil ich mir sicher bin, dass das wunderbar zusammen passt. Die Musik, die Energie der Musiker, die Leidenschaft und das Jenaer Publikum. Wie ich mich drauf freue, die Musiker auf einer großen Bühne mit gutem Sound an einem lauen Sommerabend in der schönsten Stadt der Welt erleben zu können. Während die untergehende Sonne die schönsten Farben in den Himmel um die Keksrolle malt. Oder es regnet, wie so oft. Was aber egal ist, denn die Musik ist stärker das schlechtes Wetter.

http://www.youtube.com/watch?v=0bOiA8q6yhY

Anna Aaron – Stellarling Acoustic

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