Tourgedanken (Abscheu und Ekel)

tdf_logoIn den letzten Tagen habe ich tatsächlich mal wieder ein bissl Tour de France geschaut. Weil ist ja die 100. und eigentlich ist in den letzten Jahren ja auch viel getan worden gegen das verdammte Dopingproblem. Und man muss dem Ganzen auch eine Chance geben und nicht alles verteufeln. Aber die heutige Etappe hat das alles vernichtet. Diese kranke Aufführung hat mich nur noch angeekelt. Wie da das Team Sky auf das Grab des Radsports spuckt, ist einfach widerlich. Ich hatte das Gefühl, auch den Kommentatoren und Experten bei Eurosport ging es nicht anders. Zumindest bilde ich mir ein, dies zwischen dem Gesagten herausgehört zu haben. Schade finde ich diese Verhunzung einer so wunderbaren Veranstaltung heuer vor allem auch für die deutschen Fahrer, die ja große Leistungen gezeigt haben. Hoffentlich sauber, aber zumindest mit mehr Respekt als die Vorstellung heute. Wer noch Zahlen zum Nachvollziehen meines Ekels braucht, gern. Froome hat heute die drittschnellste Zeit an diesem Anstieg, schneller als die schnellste Zeit von Jan Ullrich und schneller als die meisten Fahrten eines Lance Armstrong.

AX-3-DOMAINES (BONASCRE), ALL-TIME TOP 100 LIST
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Saisonende

Zum letzten Mal in diesem Jahr gibt es hier was zum Thema Radsport/Doping. Mittlerweile muss man es ja schon genau so schreiben. Nur müsste man dann konsequenterweise diesen Zusatz hinter nahezu jede Sportart setzen. Aber im Allgemeinen reicht es ja, eine Sache zu verteufeln.

ARD und ZDF haben sich ja nun entschieden, die Tour de France 2009 nicht zu übertragen. Ansich nicht weiter tragisch. Denn die Berichterstattung bei diesen Sendern war, ehrlich gesagt, kaum zu ertragen. Gar nicht mal weil das Dopingproblem gern in den Vordergrund gerückt wurde, sondern weil die Moderatoren zum Großteil vom Radsport in etwa so viel Ahnung hatten, dass sie gerade mal wussten, dass ein Fahrrad nicht mehr als zwei Räder hat.
Ärgerlich dagegen ist, wie dieser Ausstieg nun begründet wird. Es ist nämlich so, die Tourberichterstattung auf diesen Sendern hatten stetig sinkende Zuschauerzahlen, seit Jahren schon. Klar, ist ja auch kein Ulle mehr da. Und deswegen war die Übertragung im Grunde nicht mehr das Geld wert, was beide Sender dafür bezahlen mussten. In nächsten Jahr wird die Anzahl der deutschen Tourteilnehmer auch sehr klein sein. Denn es gibt nur noch ein deutsches Profiteam und dieses ist auch nicht unbedingt für Erfolge gut genug. Man wäre gern eher ausgestiegen, war aber vertraglich noch gebunden. Auch jetzt ist man noch vertraglich zur Übertragung verpflichtet, bis 2011. Aber indem man das Doping als Grund anführt, versucht man aus diesen Verträgen juristisch zu entkommen.

„Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erheblich reduziert. Damit ist auch der programmliche Wert stark gesunken.

Das sind die Worte, mit denen der ARD-Vorsitzenden Fritz Raff den Ausstieg begründet. Da stellt sich doch die Frage, welchen sportlichen Wert dann eine Tour vor 10 Jahren hatte. Als man noch voller Elan und ohne jede Kritik übertrug. Und trotzdem eigentlich klar war, dass flächenmäßig gedopt wurde. Nur wurde dies eben nicht überprüft. Verlogener geht es wohl kaum noch. Das schlimme ist eben, dass dadurch eine ganze Sportart in Misskredit gezogen wird. Und plötzlich jeder Depp, allen voran natürlich unsere Politiker, eine Meinung dazu hat. Ohne jeden Einblick und Verständnis.

Dass man dafür weiter fleißig Sportarten sendet, wie Fußball, Biathlon oder eben rund um die Uhr von Olympia berichtet, ist einfach nicht nachvollziehbar. Einen sehr guten Kommentar von Pit Weber mit vielen Fakten dazu gibt es hier.

Übrigens, der ganze Kampf gegen das Doping im Radsport kam vor ein paar Jahren erst so richtig in Gang, weil es einige unerklärliche Todesfälle junger Radsportler gab. Diese Todesfälle gab es aber in ähnlicher Häufigkeit auch bei Fußballern. Was wurde dort getan, außer ab und an ein Benefizspiel zu veranstalten?

Tourgedanken – Schlussstrich

Österreich hat es nicht leicht in diesen Tagen. Nicht wegen den Fußballergebnissen und auch nicht, weil sich mal wieder ein Prominenter tot gefahren hat. Sondern weil der Sommertraum verpufft. Der Sommertraum des österreichischen Radsports. Was mir sehr leid tut. Besonders für Menschen wie meinem Freund Karim. Nicht leid tut es mir dagegen um jeden erwischten Doper. Selbst wenn man sich darüber im Klaren ist, dass die Fahrer doch nur die armen Schweine des Radsports sind.

Mit Bernhard Kohl hat es nun auch den zweiten Dopingfall im Team Gerolsteiner. Man muss aber mal bedenken, in welcher Situation die Fahrer dieser Mannschaft waren. Es war lange vor der Tour bekannt, dass Gerolsteiner als Sponsor im nächsten Jahr nicht mehr zur Verfügung steht. Und die Tour de France war die letzte Chance der Fahrer, sich noch mal gut zu präsentieren. Entweder um bei einem anderen Team einen Vertrag für die nächste Saison zu bekommen oder aber um mit einer guten Teamleistung einen neuen Sponsor zu finden und so das Team zu retten. Es ist im Radsport ja nicht so wie im Fußball, wo ein Spieler das Geld in den Hintern geblasen bekommt und er sich seinen Verein danach aussuchen kann, wo er möglichst viele Spiele absolvieren kann. Nein, im Radsport geht es um Existenzen. Ein Jahr Verdienstausfall kann sich, abgesehen von den paar Spitzenfahrern, keiner leisten. Und wie schwer der Kampf um den Arbeitsplatz sein kann, das kennen einige sicher aus eigener Erfahrung. Trotzdem ist Doping hier kein Ausweg, logisch.

Die wirklich traurige Nachricht kam aber gleich im Anschluss. Denn Bernhard Kohl ist der letzte Dopingfall der Tour de France 2008. Wer also, wie ich, auf echte Aufklärung und Aufdeckung gehofft hat, kann seine Hoffnungen wieder begraben. Fakt ist, es werden keine weiteren Blutproben untersucht. Das Ganze lief jetzt folgendermaßen ab. Es gab eine Liste von 14 Fahrern, die auffällige Blutwerte während der Tour hatten. Wer alles auf dieser Liste steht, ist nicht bekannt. Und die Proben dieser Fahrer wurden mit einem neuen Test nochmals untersucht und dabei drei Fahrer des Dopings überführt. Einen schalen Beigeschmack hat das Ganze, weil nicht klar ist, wer diese Liste erstellt hat, nach welchen Kriterien und wer alles auf dieser Liste war. Man wüsste ja schon gern, ob beispielsweise Fahrer der CSC-Mannschaft dabei waren, also der Mannschaft, die ja die Tour dominiert hat.

Hinter der Ankündigung, dass es keine weiteren Tests geben wird, könnte man auch schnell gewisse Absichten entdecken wollen. Aber ich denke der Grund dafür ist ziemlich profan. Diese Tests kosten viel Geld und Geld ist im Kampf gegen das Doping sehr knapp. Klar, die UCI, also der Weltradsportverband, hält das Geld dafür so knapp wie möglich. Schließlich leben diese Menschen vom Radsport und jeder Dopingfall gefährdet diesen. Und unsere Medien, also ARD und ZDF, denken lieber über einen Ausstieg von der Radsportübertragung nach. Was natürlich mit finanziellen Einbußen beispielsweise für den Tourveranstalter verbunden wäre. Geld, das in der Dopingbekämpfung dann fehlt. Stattdessen konzentriert man sich bei der Berichterstattung dann lieber auf Sportarten, wo es weniger Dopingfälle gibt. Weil dort weniger dagegen getan wird. Mehr Doppelmoral geht kaum, und das mit öffentlichen Geldern. Schade dass so etwas möglich ist.

Übrigens, der Herr Kretzschmar, dieser coole ehemalige Handballer mit den vielen Tattoos, hat sich jüngst für die Freigabe von Doping ausgesprochen. Wie bescheuerte diese Idee ist, darauf möchte ich nicht weiter eingehen. Aber es zeigt ganz gut, in was für einer Welt diese Profisportler leben. Meiner Meinung nach kann die Lösung nur lauten: Abschaffung des Profisports.

Nachtrag zu den Tourgedanken

Die Tour de France 2008 ist zwar schon längst absolviert, bestimmt aber trotzdem noch die Schlagzeilen. Nicht in sportlicher Hinsicht, sondern beim Thema Doping. Und ich will mich ja jetzt nicht als Besserwisser hinstellen… ach doch, klar will ich das. Ich hatte es ja schon vorher gewusst. Hätten mal alle auf mich gehört. Selber schuld.
Jedenfalls wurden meine Vorurteile dem Herrn Stefan Schumacher gegenüber bestätigt. Denn es gibt wohl einen offiziellen Dopingfall Schumacher. Und ich muss ehrlich sagen, ich bin sehr froh, die Erfolge dieses Menschen damals ohne jede Emotion hingenommen zu haben. So muss ich heute nichts bereuen. Sollen solche Typen halt weiter betrügen, irgendwann kommt es halt doch raus. Hoffentlich. Zweiter Dopingfall ist übrigens der Herr Piepoli aus der, zum Glück nicht mehr existenten, Arschloch-Mannschaft.

Nun fragt man sich schon, ob man diese Funde positiv oder negativ beurteilen soll. Ob man nun den Radsport komplett beerdigen soll. Oder doch das positive an der Sache sehen? Fakt ist, dass hier auf ein Medikament getestet wurde, das vorher nicht nachweisbar war. Und die Fahrer hatten zu Beginn der Tour keine Ahnung, dass auch auf diese Verbindung getestet werden würde. Eine sehr ungewöhnliche Sache, wenn man sich den angeblichen Kampf des Dopings in der Vergangenheit mal genauer betrachtet. Und etwas, was momentan nur im Radsport möglich erscheint. Deswegen ist es für mich ziemlich klar, es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt Doper zu überführen, die sich damals allzu sicher waren. Genau diese Konsequenz braucht es, um überhaupt einen Kampf gegen das Doping zu führen. Und nicht diese Alibi-Tests aus vergangenen Zeiten. Ich hoffe man erwischt so noch mehr Betrüger.

Olympische Nachbetrachtung

Olympia 2008 ist Geschichte, meine ich mitbekommen zu haben. Vollständig konnte man diesem Thema ja auch nicht entgehen. Wobei die Berichterstattung in Deutschland ja immer zwischen Dopingdiskussionen und Entsetzen über das Abschneiden deutscher Athleten schwankte. In meinen Augen absolut lächerlich. Entweder will man Welterfolge, dann aber mit allen Mitteln. Oder man ist einfach mal stolz darauf, sich nicht so zu verkaufen, wie andere. Aber egal. Eigentlich kann man nur froh sein, dass dieses Horrorkabinett endlich geschlossen wurde. Da gewinnt ein Mensch acht Goldmedaillen und stellt dabei sieben Weltrekorde auf. Mindestens so pervers wie der neue Weltrekord im 100 Meter Sprint. Und vieles mehr. Kein vernünftiger Mensch wird glauben, dass solche Leistungen mögliche sind, ohne dass dafür massiv in den menschlichen Organismus eingegriffen wurde. Und wenn schon Fechter und Schützen des Dopings überführt werden, kann man sich ja ausmalen, wie verseucht der Leistungssport insgesamt ist.

Den Verantwortlichen kann das egal sein. Ist es ja auch. Die machen Milliarden Umsätze mit dieser Veranstaltung. Auf wessen Kosten, das interessiert diese Leute nicht. Weiterlesen Olympische Nachbetrachtung

Tourgedanken (6) – Ruhe nach dem Sturm

Das war ja was gestern, da hat man sich aber wirklich ein Päuschen verdient heute. Also nicht ich, sondern all die Menschen bei der Tour. Wobei Ruhetag ja nur bedeutet, einen Tag am selben Ort zu bleiben. Und auch wenn die Etappe gestern im Großen und Ganzen nicht so spannend war, der Schlussanstieg nach Prato Nevoso entschädigte dafür. Auf dem Papier sieht der gar nicht so gefährlich aus. 11 Kilometer mit durchschnittlich 6,9% Steigung, da lach ich als Mountain Biker ja eigentlich drüber. Auch wenn ich da nie so schell hochfahren werde, dass ich in einer Kurve stürzen könnte. Wobei mir das mit den breiten Reifen eh nie passieren würde. Wobei mit dem MTB auf der Straße fahren ja auch total doof ist.

Jedenfalls gab es da gestern endlich mal wieder Radsport, der glaubwürdig erschien. Nicht so wie in den Pyrenäen oder bei der Tour 2007. Gestern wurde Mann gegen Mann gekämpft. Und der Bursche unter den Männern, also Cadel Evans, hat Schwächen gezeigt. Aber es war wohl auch nicht sein Wetter. Wobei ihm so ein konstanter Anstieg eigentlich eher liegen sollte als richtige Rampen. Aber immerhin hat er bis ans Limit gekämpft, das macht ihn doch sympathisch. Und auch sein Free Tibet-Shirt unter dem Trikot.
Aber auch die anderen Fahrer in diesem Kampf waren beeindruckend. Wobei ich bei den CSC-Fahrern doch so ein wenig Zweifel habe. Aber ich glaube, wenn die medizinische Hilfsmittel benutzen, dann so schlau, dass sie nicht ans Äußerste gehen. Und so nicht Gefahr laufen, erwischt zu werden. Man weiß es nicht. Deswegen weiß man auch nicht, wo hoch nun wirklich die Leistung von Bernhard Kohl einzuschätzen ist. Das ist überhaupt das wirklich Traurige, dass man keiner erbrachten Leistung mehr traut und deswegen auch untereinander keine Vergleiche ziehen mag. Und trotzdem freue ich persönlich mich darüber, wenn ein so sympathischer Fahrer wie der Österreicher so ein Niveau zeigen kann. Er scheint ja selber darüber überrascht zu sein. Wäre schon ein schönes Bild, einen Österreicher im rot-weißen Bergtrikot am Sonntag in Paris zu sehen.

Hier noch meine persönliche Todo-Liste (ausgesprochen wie Dodo mit T) für den Ruhetag:

  • Traumjob besorgen
  • Tochter zeugen
  • Baum pflanzen
  • Haus bauen
  • das Coldplay-Orakel befragen
  • Fahrrad putzen

Tourgedanken (5) – Medienrummel

Überall (bei den Medien, die ich zum Großteil kenne, ist das vor allem Spiegel Online) wird momentan mal wieder darüber diskutiert, dass man von der Tourberichterstattung absehen müsste. Aus welchen Gründen auch immer. Ich verstehe es nicht und finde allein die Diskussion schon absolut daneben. Da ist die ASO, der Veranstalter der Tour de France, die endlich mal zeigt, dass es jemand im Sportgeschäft ernst meint im Kampf gegen das Doping. Und nun soll man sie dafür mit Missachtung bestrafen? Wo ist da die Logik? Was wollen wir denn eigentlich? Ich persönlich will keinen Radsport sehen, wie bei den Pyrenäen-Etappen letzte Woche. Wo offensichtlich gedopte Fahrer dem Rest des Feldes auf der Nase rumtanzen. Die die sauberen Fahrer verhöhnt haben. Deswegen bin ich froh, wenn man diese dann des Dopings überführt und aus dem Verkehr zieht. Und diese Fälle jetzt bei der Tour zeigen doch, dass das System funktioniert. Dass sich die Fahrer eben nicht mehr sicher sein können, nicht erwischt zu werden. Das ist ein Erfolg und als solcher sollte es dann auch in den Medien dargestellt werden. Warum man dies nicht macht, verstehe ich beim besten Willen nicht. Entweder will man keinen sauberen Sport, oder aber man hat die rosarote Brille, mit der man den Sport betrachtet, noch nicht abgesetzt. Dann wird es aber Zeit.

Und wenn man schon über einen Boykott nachdenkt, dann doch mal bei den Veranstaltungen, wo man das Doping stillschweigend duldet. Oder nur alibimäßig dagegen vorgeht. Über einen Olympia-Boykott will ich dabei gar nicht reden. Wer sich sowas anschaut, ist ja selber schuld. Manchmal klingt es ja in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender schon an. Dass die Spanier gerade Fußballeuropameister geworden sind und auch in anderen Sportarten momentan sehr stark sind. Auch weil in diesem Land selbst von staatlicher Seite das Doping unterstützt oder zumindest geduldet wird. Aber der Radsport ist ja momentan das leichtere Opfer.

Eine Anmerkung noch, ich bin natürlich nicht so naiv zu glauben, dass man bei der Tour alle Arten des Dopings finden könne und dass die Test allumfassend wären. Aber man befindet sich im Radsport trotzdem auf dem richtigen Weg, zumindest teilweise. Man kann den verseuchten Giro ja nicht mit der Tour vergleichen. In anderen Sportarten hat man allerdings noch nicht mal begonnen, auch nur einen Blick in die Richtung, die im Radsport eingeschlagen wurde, zu riskieren.

Tourgedanken (3) – Gerechtigkeit

Endlich hat man ihn erwischt! Ganz ehrlich, so gefreut habe ich mich noch nie über einen Dopingfall. Da sitzt man vorm Fernseher und sieht diesen Riccardo Ricco, Spitzname Kobra, wie dieser am Berg allen davon fährt. Und möchte diesen Typen am liebsten vom Rad reißen, weil es völlig offensichtlich ist, dass da nicht alles sauber sein kann. Erstens kündigt dieser Fahrer, überhaupt als italienisches Großmaul bekannt, seinen Sieg schon Tage vorher an. Und dann fährt er völlig entspannt den Anstieg hoch, tritt dann einmal an und hängt alle ab. Ohne jede Mühe. Das kann kein sauberer Fahrer, so viel ist klar.

Und dann kommt immer wieder diese Geschichte. Der Herr Rico hätte von Natur aus einen so hohen Hämatokritwert, er hat ein Attest von der UCI dafür, das wäre alles ganz natürlich. Dass dies alles nur Lügen sind, ist ja jetzt endlich bewiesen worden.

Zum Glück hat sich sofort die gesamte Mannschaft Saunier Duval zurückgezogene. Diese Arschlöcher, man muss es so sagen, die die Etappe nach Hautacam versaut haben. Eine Etappe, die so schön und spannend hätte werden können. Die erste echte Bergankunft. Aber das Team Saunier Duval, im übrigen nicht unter den Teams, die sich zum Bündnis gegen Doping zusammen geschlossen haben, kündigte schon am Vortag an, welcher Fahrer gewinnen sollte. Und so kam es dann auch, man spielte Katz und Maus mit den anderen Fahrern. Und als Radsportliebhaber sitzt man dann fassungslos davor und fragt sich, wieso die heute noch sowas dürfen. Und ob die überhaupt ein Gewissen haben. Hoffentlich bekommen sie jetzt eine gerechte Strafe und man hört so schnell nichts mehr von dieser Mannschaft.

Tourgedanken (1)

Die ersten vier Etappen der diesjährigen Tour de France sind gefahren. Gestartet wurde diesmal mit einer richtigen Etappe statt eines Prologs. Meiner Meinung nach eine sehr gute Sache. Denn so ein Prolog, also ein kurzes Zeitfahren, hat sportlich gesehen recht wenig Wert. Und als Fernsehzuschauer hat man auch nichts davon. Nur für die Zuschauer an der Strecke ist das Ganze relativ spannend. Deswegen wurde die Prologe auch immer mehr aufgeblasen, zu riesigen Events. Aber so ein Spektakel wie letztes Jahr in London steht eben auch in Diskrepanz zum Stellenwert, die die Tour heute hat. Deswegen ist so ein Schritt zurück, ein Retro-Tourauftakt so zusagen, mit Sicherheit nicht falsch.

Nach dem ersten Zeitfahren gestern ist das Gesamtklassement auch erstmal sortiert worden. Und nun steht ein Deutscher ganz oben, darf also in Gelb fahren. Vor ein paar Jahren noch hätte die Presse diesen „Schumi auf dem Rad“ mit solchen und ähnlichen Schlagzeilen in den Himmel gehoben. Heute wird erstmal die Vergangenheit des Radprofis durchleuchtet und die dunklen Flecken auf der Weste aufgezeigt. Kann man das in dieser Form gut heißen?

Meiner Meinung nach schon. Denn dieser Stefan Schumacher war nie ganz unumstritten. Zum einen sind da diversen Funde von Chemikalien in seinem Blut, die da nicht hingehören. Ebenso ein erhöhter Hämatokritwert kurz vor der WM 2007. Aber er wurde nie des Dopings schuldig gesprochen. Dann ist da aber noch eine zweite Sache, die mich persönlich an diesem Fahrer stört. Denn eigentlich hat der Herr Schumacher nichts im Profiradsport verloren, zumindest nicht zur Pollenflugzeit. Denn der Herr leidet unter starker Pollenallergie. Wie viele andere Radsportler auch. Denn die Medikamente gegen so eine Pollenallergie zählen eigentlich als Doping. Mit einem Attest kann man diese aber trotzdem nehmen. Der Herr Holczer, sportlicher Leiter des Teams Gerolsteiner, hat sich immer strikt gegen dieses „legale Doping“ ausgesprochen. Hat immer gern auf die anderen geschimpft. Und dann den Herr Schumacher als Fahrer verpflichtet. Der meist kurz nach seiner Pollenallergiezeit seinen Leistungshöhepunkt hat. So wie eben gestern. Dagegen wollte der Herr Holczer einen Jörg Jaksche nicht verpflichtet, wegen ethischer Bedenken oder so. Weil der Herr Jaksche mal gedopt hat, dann aber gestanden und vor der Staatsanwaltschaft ausgepackt hat.
Dann viel Spaß mit dem gelben Trikot.

Aber es gibt auch Gutes zu berichten. So habe ich dank der Tour ein neues Schweizer Wort gelernt. Denn Exploit gibt es nicht nur im Englischen, sondern wird auch in der Schweiz verwendet, wenn es um den Sport geht. Nur werden solche großen Leistungssprünge im Radsport heute eher argwöhnisch, aber auf jeden Fall kritisch betrachtet. Zurecht. Ich hätte eh viel eher „dem Cancellara“ den Sieg gegönnt, schon allein wegen dem Siegerinterview.

La Grande Boucle

Seit heute rollen die Räder wieder und surren über den Asphalt. Nicht nur in Frankreich, auch hier scheint das Radfahreraufkommen anzusteigen. Außerdem hat diese Tourzeit auch noch andere Nebeneffekte, die man als Radfahrer zu spüren bekommt. Plötzlich grüßen viel mehr Menschen, wenn man unterwegs ist. Weil so ein Radfahrer mit Helm wohl jetzt ganz anders wirkt. Überhaupt, um das mal nebenbei zu erwähnen, bin ich ja der Meinung, dass nur ein Radfahrer mit Helm auf dem Kopf als wirklich ambitionierter Radfahrer gilt. Denn so einen Helm trägt man entweder, weil man genau weiß, was ohne Helm passieren kann bei dieser Beschäftigung. Weil man es eventuell schon am eigenen Leib erfahren hat. Zu dieser Kategorie zähle ich auch. Oder man trägt ihn, weil man diesen Sport, oder als was man das Radfahrer eben betrachtet, so sehr liebt, dass man noch lange Zeit dieser Tätigkeit nachgehen möchte. Weil man insgeheim denkt, beim Radfahren zu sterben wäre schon wunderbar, aber es muss noch nicht jetzt sein.
Aber zurück zu den Tournebenwirkungen. Man wird selbst von Fußgängern gegrüßt in diesen Zeiten. Ist wirklich wahr, ist mir heute passiert. Aber besonders schön sind die lächelnden Kindergesichter. Nur dieser kleine Junge, der heute Radfahren gelernt hat und angsterfüllt auf seinem kleinen Rad saß, weil er nicht wusste, wie er bremsen kann. Der sah nicht so glücklich aus, als wir uns begegneten.
Und es gibt sogar ein paar Autofahrer, die plötzlich etwas mehr Verständnis für einen Radfahrer zeigen. Sind zwar Ausnahmen und da der Radsport in den letzten Jahren an Bedeutung verloren hat, werden es auch immer weniger. Aber trotzdem ist es angenehm, nicht jedes Auto als potentielle Waffe sehen zu müssen.

Damit also zum heutigen Radsport. Ich gebe es gern zu, für mich ist es noch immer der großartigste Sport überhaupt. Und die Tour de France die wichtigste Veranstaltung. Ich habe mir heuer auch wieder ein Tour-Programmheft gekauft, was ich die letzten zwei Jahre nicht mehr gemacht hatte. Denn man muss es ganz klar sagen, es wird sehr viel von Seiten der Tourveranstalter im Kampf gegen das Doping getan. Und die Tour ist höchstwahrscheinlich das sauberste Radrennen derzeit. Und eben nicht so eine Farce wie es der Giro 2008 war.

Trotzdem bleibt die Frage, wie weit kann man den Fahrer trauen? Sind die Leute, die vorn dabei fahren können, denn sauber? Dazu einfach mal ein paar Worte zu zwei Fahrer aus dem Favoritenkreis. Alejandro Valverde hat ja bekanntlich heute die erste Etappe gewonnen und damit das gelbe Trikot erobert. Dieser Valverde steht aber auf der berühmt berüchtigten Fuentes-Liste und fuhr in Teams, die nachweislich von diesem Frauenarzt betreut wurden. Nein, an dem Satz ist nichts falsch. Aber es gab irgendeinen Deal und die Ermittlungen wurden eingestellt. Genaueres weiß man nicht.
Der Tourfavorit schlechthin für fast alle Experten ist aber (noch) der Australier Cadel Evans. Ein Name, der mir schon sehr, sehr lang bekannt ist. Cadel tauchte eines Tages im Mountain Bike-Zirkus auf, eigentlich aus dem Nichts, und fuhr alles in Grund und Boden. Und dies auf einem der hässlichsten und verachtenswertesten Räder überhaupt, einem Cannondale. Damals existierte aber das Wort Doping noch nicht im allgemeinen Wortschatz. Heute betrachtet man solche Leistungen, von denen es im MTB-Bereich nicht wenige gab in den letzten Jahren, mit anderen Augen. Was bestimmte Damen und Herren da an Leistungssprüngen hatten, war schon unglaublich. Auch ein Herr Rasmussen gehört zu diesem Kreis, der ja dieses Jahr nicht bei der Tour dabei sein darf, aber seine Teilnahme für nächstes Jahr wieder angedroht hat. Aber wir waren ja beim Cadel Evans, der irgendwann herausfand, dass man auf der Straße viel mehr Geld verdienen kann als im Gelände. Und so auf eben diese Straße wechselte. Anfangs mit sehr wenig Erfolg. Nicht weil ihm die Kraft oder Ausdauer fehlte, sondern weil er sich immer wieder auf den Asphalt schmiss. Weil der Typ einfach nicht im großen Feld fahren konnte. Und so saß er sehr oft am Straßenrand mit seinem weinerlichen Gesicht und gebrochenem Schlüsselbein. Bis er zu Mapei und später zu T-Mobile wechselte, zwei Mannschaften, in denen zu dieser Zeit systematisch gedopt wurde. Aber das Radfahren lehrte man ihm da auch und die Stürze wurden seltener.

Es ist also klar, beide Fahrer haben keine weiße Weste. Es ist aber auch so, dass beide, aber im besonderen Cadel Evans, mit absoluter Regelmäßigkeit immer einen oder mehrere schlechte Tage bei großen Rundfahrten hatten. Was wiederum gegen systematisches Doping sprechen würde, denn genau das soll dieses ja verhindern. Vielleicht vertragen sie das Doping aber auch einfach nicht so gut.

Man sollte das Ganze aber erstmal weiter beobachten. Und wenn wieder solche perversen Spielereien wie letztes Jahr an den Anstiegen abgehalten werden, ist die Sache klar. Dann heißt es wieder, sich dem Radsport ansich zu widmen und die Sieger links liegen zu lassen. Was wohl eh die gesündeste Einstellung ist, nicht nur in Hinsicht auf den Radsport, sondern den gesamten Leistungssport.

Aber bleiben wir noch kurz beim Radsport. Die Frage ist, hat sich wirklich etwas geändert seit dem letzten Jahr. Oberflächlich schon, schließlich fehlen einige Spitzenfahrer und ganze Mannschaften bei der Tour. Aber im Großen und Ganzen leider nicht, wie beispielsweise der Fall Jörg Jaksche sehr deutlich zeigt. Jaksche stand ebenfalls auf der Fuentes-Liste und hat nach einiger Zeit sein Doping auch gestanden und ist als Kronzeuge aufgetreten. Und was hat er heute davon? Seine Dopingsperre ist zwar abgelaufen und er könnte wieder Rennen fahren. Aber kein Rennstall wollte ihn verpflichten. Dazu muss man eigentlich nichts mehr sagen. Stattdessen geht die Entwicklung im Radsport in die komplett andere Richtung. Die Spitzenfahrer, die beim Doping erwischt werden, sitzen ihre Strafe brav ab. Und werden dann von zweitklassigen Teams verpflichtet, damit diese und die Sponsoren, die dahinter stehen, das schnelle Geld mit diesen machen können. Da steht man dann als Radsportfan leider machtlos daneben. Und möchte am liebsten kotzen.

Ebenso unangenehm ist der Umgang der deutschen Medien mit der Problematik. Unsere öffentlich-rechtlichen Sender berichten zwar wieder von der Tour de France. Aber jedes zweite Wort bei dieser sogenannten Berichterstattung ist „Doping“. Man soll das nicht falsch verstehen, natürlich soll und muss darüber berichtet werden. Aber wenn dann in der Tagesschau auf eine Reportage mit dem Untertitel „Ist sauberer Radsport möglich?“ hingewiesen wird, möchte man am liebsten ganz laut schreien. Einfach deswegen, weil die Dopingproblematik von diesen Medien immer nur auf den Radsport beschränkt wird. Die wirkliche Frage ist doch: „Ist sauberer Leistungssport möglich?“. Aber diese Sender sind eben selbst Teil des gesamten Systems, das merkt man deutlich. Ohne Spitzenleistungen gibt es keine hohe Einschaltquote. Und so wird eben alles auf den Radsport abgeschoben und in anderen Sportarten findet weiterhin das gemeinsame Geben von Alibis statt. Dabei ist es doch klar, dass keine Spitzenleistung heutzutage ohne medizinische Hilfsmittel mehr erzielt werden kann. Oder warum haben alle Ausdauersportler krankhaft hohe Hämatokrit-Werte. Ohne Ausnahme. Und ganz gleich ob es in der Leichtathletik, im Wintersport oder im Fußball, überall gehören medizinische Hilfsmittel dazu. Die Frage ist nur, ebenso im Radsport, was davon wird als Doping deklariert und welche Tests werden zugelassen, um die festgelegten Grenzen zu überprüfen. Das ganze System funktioniert so und wer das schnell ändern möchte, ist naiv. Vielleicht ist diese Lösung sogar die gesündeste, zumindest solange man eine allzu große Gefährdung der Gesundheit der Athleten ausschließen kann. Denn diese Athleten sind immer die armen Schweine. Diejenigen, die sich mit ihrer Berufswahl dafür entschieden haben, die Gewalt über ihren Körper in fremde Hände zu legen. Und so kann man auch die Reaktion eines Jan Ullrich jetzt verstehen, der sich von aller Welt im Stich gelassen sieht. Das Problem ist eben dabei, dass man die Zuschauern und Fans jahrelang belogen hat. Und es noch immer tut. Und das ist auch der Punkt, wo der Leistungssport/Profisport seine Daseinsberechtigung verloren hat.

Nun ist es natürlich schwer nachvollziehbar, warum ich mir das Ganze dann noch anschaue. Bei mir ist es zum einen natürlich die Liebe zum Fahrrad. Diese eigentlich ganz einfache Erfindung, in der aber so viel mehr steckt. Diese Maschine, mit deren Hilfe man relativ einfach hohe Geschwindigkeiten erreichen kann. Und das mit der eigenen Kraft. Und dazu noch seine Umwelt spürt. Den Wind, den Regen, die Hitze. Den Geruch der Natur. Heute roch der Wald beispielsweise ganz fruchtig und süßlich. Dazu steht man ständig in direktem Kontakt mit eben dieser Natur. Und ist völlig unabhängig, weil man einzig und allein Nahrung braucht, auf die man als Mensch ja eh angewiesen ist.
Und dann kann ich eben auch nachempfinden, welche Leistung diese Fahrer bei der Tour erbringen müssen. Denn ich kenne es, wenn die Beine schwer wie Blei sind. Wenn man sich einfach vom Rad fallen lassen möchte und trotzdem weiter tritt. Wenn man von Essen träumt, es schon riecht und schmeckt, aber noch kilometerweit fahren muss. Wenn man den Anstieg verflucht, nur um dann glücklich zu lächeln, wenn man ihn doch geschafft hat. Und dies alles erleben die Tourteilnehmer auch, ganz gleich ob mit oder ohne Doping.

Ach, ich könnte noch ewig weiter schreiben. Aber ich fürchte, es interessiert ja doch niemanden. Dafür freue ich mich schon auf meine nächste Radtour und auch auf das Tour schauen im TV. Auf Eurosport, natürlich.

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