Musikalisches Drei-Gänge-Menü

Aktuell muss man wohl davon ausgehen, dass es ein wenig dauern wird, bis man wieder Livemusik von Lieblingskünstlern genießen kann. Deswegen wird es nun aber wirklich Zeit, meine Konzertagenda zu aktualisieren und sich an die letzten drei Konzertbesuche zu erinnern.

Stars „Set Yourself On Fire 15th Anniversary Tour“ | Strom, München | 22.09.19

Fast fünf Jahre sind vergangen, seit die Stars das letzte Mal in Deutschland Konzerte spielten. Und meine Sehnsucht war vor diesem Konzert sehr groß. Zum Glück brachte das Jubiläum des erfolgreichsten Albums „Set Yourself on Fire“ die Band wieder nach Europa und mich zu meinem ersten Besuch auf dem Oktoberfest in München. Einfach weil der Club direkt neben der Theresienwiese war und die Zeit bis zum Konzertbeginn genutzt werden wollte.

The Soft Revolution from Montreal.

Leider war es uns nicht vergönnt, das gesamte Konzert zu erleben, da wir vorzeitig gehen und den letzten Zug erreichen mussten. Aber trotzdem war es ein wunderbares Erlebnis. Nach dem Supportact, einem Sänger mit wirklich guter Stimme, dessen Namen mir leider entfallen ist, wurde das gesamte „Set Yourself on Fire“-Meisterwerk vom ersten bis zum letzten Song gespielt. Oder eher zelebriert, denn das Publikum war in weiten Teilen textsicher und sang inbrünstig mit. Apropos Inbrunst, meiner Meinung nach ist das besondere an den Stars, wie sehr die ihre Musik auf der Bühne leben. Das ist teils eher ein Theaterstück als ein Konzert, so sehr gehen Torquil und Amy in den Songs auf. Das ist so eine Freude, dies erleben zu können. Auch wenn wir vom zweiten Teil, bei dem dann vor allem neuere Lieder gespielt wurde, nur noch einen Teil mitbekommen konnte. Diese Auftritt hat das Herz wieder erwärmt und es dauert hoffentlich nicht wieder so viele Jahre bis zur nächsten Gelegenheit.

Und falls das hier jemand liest und diese Band auch ins Herz geschlossen hat, unterstützt gern die Künstler, vor allem in der konzertlosen Zeit. Die Stars gehen dabei einen speziellen Weg und versorgen Unterstützer bei Patreon mit Unmengen an Output.

Stereofysh | Kater Blau, Berlin | 23.01.20

Im schwierig zu findenden Kater-Klub durfte man keine Bilder machen, deswegen hier ein Heimat-Symbolbild.

Ostdeutsche Köstlichkeiten, die in der Schweiz nicht erhältlich sind.

Die Erinnerungen an dieses Konzert sind nicht ganz so eingeprägt wie die ans Stars-Konzert. Aber ich erinnere mich an liebe Menschen, schöne Musik, matschigen Sound und Rückenschmerzen. Klingt wahrscheinlich negativer als eigentlich gemeint. Die Stereofyshe haben ein wunderbares und, trotz kurzer Vorbereitungszeit, überzeugendes und mitreissendes Konzert gespielt. Es gab auch neue Lieder zu hören, die Appetit auf ein neues Album machen. Und das Publikum wurde durch ausgefeilte Aktionen zum Mitsingen animiert. Sehr lustig war das alles.

Tim Baker, Half Moon Run | Salzhaus, Winterthur | 02.03.20

Schon ein wenig vom Corona-Virus beeinflusst, durfte ich auch dieses Jahr ein Geburtstagskonzert erleben. Eigentlich wollte die Band an diesem Termin in Norditalien sein, dort war aber schon Corona-Krise und so spielte man sehr kurzfristig in Winterthur.

Tim Baker im Salzhaus.

Ich muss aber ganz ehrlich gestehen, dass ich nur wegen dem Supportact ans Konzert gegangen bin. Denn dieser Tim Baker hat solch ein wunderbares Debütalbum im Jahr 2019 veröffentlicht, dass ich die Musik unglaublich gern live erleben wollte. Und dann steht der da allein auf der Bühne auch schon allein die Stimme sorgt für Gänsehaut am ganzen Körper. Was für ein wunderbares Erlebnis. Und sehr schwer zu beschreiben. Gespielt wurden auch ein paar Hey Rosetta!-Songs und mir wurde wieder schwer ums Herz bei dem Gedanken, dass man die Band nicht mehr live erleben kann. Und offensichtlich gefiel nicht nur mir diese Darbietung, das Publikum war insgesamt sehr aufmerksam und lauschte gern den Liedern.

Half Moon Run zogen dann zwar mehr Menschen vor die Bühne, aber die Stimmung war meiner Meinung nach nicht mehr so gut wie bei Tim Bakers Auftritt. Die Band war aber auch schwer zu fassen. Musikalisch war das sicher sehr fein, aber irgendwie wirkte zu aufgeblasen und unecht. Dazu kam eine völlig übertriebene Lightshow, die teils die Augen aus dem Kopf herausbrannte. Spielfreude kam auch nicht wirklich rüber und ich fragte mich die ganze Zeit, was wohl die Motivation dieser Musiker für ihren Auftritt ist. Bei Tim Baker hat man noch die Hingabe in seinen Songs gespürt, bei dieser Band war da nichts. Aber eben, musikalisch war es trotzdem eindrücklich.

Noch weiss niemand, wie es mit der Konzertwelt weitergeht und welche Auswirkungen das Virus haben wird. Ich hoffe einfach insgeheim, dass ich nächstes Jahr wieder ein Geburtstagskonzert erleben darf. Das wäre eine schöne Sache. Denn eines ist Fakt, die Livemusik fehlt mir schon jetzt sehr.

Album des Jahres Zwanzigfünfzehn

Meine Last.fm-Album-Charts für 2015
Meine Last.fm-Album-Charts für 2015

Es wird mal wieder Zeit die Alben des Jahres vorzustellen, wie in den letzten Jahren auch geschehen. Wieder waren die Äffchen bei Last.fm fleißig und haben alle von mir gehörten Lieder fein mitgezählt und ausgewertet. Und wieder einmal stellt das Ergebnis mein persönliches Empfinden sehr gut dar.

Second-SightHey Rosetta! – Second Sight

Meine absolute Lieblingsneuentdeckung des Jahres waren ganz klar diese großartigen Musiker aus Neufundland. Streng genommen wurde das Album im Jahr 2014 veröffentlicht und dürfte deswegen nicht Album des Jahres werden. Aber da ich Spätzünder die Band erst im März entdeckt habe, sie mich sofort bezaubert hatten und mir obendrein das großartigste Konzerterlebnis des Jahres bescherten, kann nur dieses Album zum Album des Jahres 2015 gekürt werden. Stellvertretend auch für „Seeds“ und „Into Your Lungs…“, die beiden älteren Alben der Band, die mindestens genauso grandios wie das aktuelle sind.

We-Were-HereBOY – We Were Here

Sehr gern erinnere ich mich noch an den Auftritt bei der KulturArena 2012, als ich dachte, selbst wenn das zweite Album ein Flop werden oder nie entstehen würde, diese Band war hier und hat wundervolle Momente in die Welt gezaubert. Und nun kam das zweite Album doch ans Licht und ist großartig geworden. Anders als das Debüt, tiefer, bunter, mit einer größeren Bandbreite. Und nicht jeder Song ist ein Hit, alles ist ein bisschen weniger persönlich, dafür professioneller. Und trotzdem ein großartiges Album. Fehlt nur noch ein zugehöriges Konzert, das hat sich dieses Jahr leider nicht ergeben.

We-Loved-Her-DearlyLowell – We Loved Her Dearly

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich diese Künstlerin eigentlich entdeckt habe. Wahrscheinlich war es einer der Newsletter für Mainstage, von denen ich Dutzende täglich erhalte. Imponiert hat mir zunächst die Stimme, die musikalische Bandbreite und, nachdem ich mich weiter mit ihr auseinander gesetzt hatte, die Geschichte dieser Frau. Nachlesen kann man das in meiner Rezension bei der Mainstage. Schon erstaunlich dass es ein Album mit elektronischer Musik so weit nach oben geschafft hat, aber es hat sich in den Gehörgängen festgesetzt und beim Hören viel Freude bereitet. Deswegen hoffe ich, dass es bald ein zweites Lowell-Album geben wird. 

FreedomRefused – Freedom

Die Überraschung des Jahres! Also nicht nur die Qualität des Albums, sondern vor allem die Tatsache, dass es überhaupt wieder ein Refused-Album gab. Völlig unverhofft erschien es. Vielleicht nicht mehr ganz so hart und gnadenlos wie damals, aber meiner Meinung macht es das noch besser. Und thematisch ist es das relevanteste Album des Jahres. Bei all dem kranken Mist, der 2015 passierte und noch immer auf dieser Welt stattfindet, war es ein gutes Gefühl, dieses Album zu hören und zu wissen, dass es auch Menschen mit Verstand da draußen gibt. Gerade nach den Anschlägen in Paris und den teilweise grotesk-dummen Reaktionen danach war ich sehr dankbar für dieses Album.

KintsugiDeath Cab For Cutie – Kintsugi

Das Album selbst ist meiner Meinung nach kein Meisterwerk, aber besser als der Durchschnitt allemal. Aber die Platzierung hier steht eben auch für die wunderbaren Konzertmomente, die Death Cab mir dieses Jahr beschwert haben. Und dafür, dass diese Band live einfach wahnsinnig gut sind. Viel kraftvoller und spielfreudiger als es die Aufnahmen manchmal vermuten lassen. Und eine Band, die schon so viele großartige Lieder hervorgebracht hat. Die live eben noch immer gern abgefeiert werden. Von solchen Bands gibt es eben auch nicht viele und all das steckt für mich eben auch in diesem Album.

The-RaceStereofysh – The Race

Die wunderbaren Zander-Geschwister sind nicht nur total liebe Menschen, die ich sehr sehr gern mag, sondern machen eben auch verdammt gute Musik. Und nach der grandiosen Record Release-Party gehört das Album auf jeden Fall zu meinen Alben des Jahres. Und macht die Liste ein bisschen bunter. Außerdem ist es dasjenige Album, dem man die viele Liebe, die in seine Entstehung gesteckt wurde, am allermeisten anhört. Klingt komisch, ist aber so. Hoffentlich gibt es im nächsten Jahr wieder ein, zwei oder mehr Gelegenheiten, die Musik wieder live zu hören. Denn das ist jedesmal ein großer Genuss.

True-BrewMillencolin – True Brew

Irgendwie hat es mich im letzten Jahr auch wieder zurück zur Musik meiner Jugend gezogen. Unter anderem wegen diesem Album. Durch Zufall hatte ich entdeckt, dass Millencolin ein neues Album haben. Kurzentschlossen wurde es gekauft und erstaunt festgestellt, dass es fast wie früher klingt. Schneller Gute Laune-Punk, der mich damals oft in die Schule begleitet hatte. Also habe ich diese Reise in die Vergangenheit gern mitgemacht und mir die Musik um die Ohren gehauen. Und nun habe ich durchaus Lust auf so ein kleines, wildes Punkkonzert. Aber nur mit guter Musik, wie eben die von Millencolin.

Drug-For-The-Modern-AgeKopecky – Drug For The Modern Age

Auch so eine Entdeckung des Jahres. Ich mag die Musik dieser Band wirklich sehr. Und ihren Ansatz, ernste und tiefgründige Texte mit leichter, poppiger Musik zu verbinden. Das funktioniert bei ihnen wunderbar. Dieses Album kann ich dementsprechend nur jedem empfehlen und mit Sicherheit wäre es weiter oben in meinen Charts gelandet, wenn da nicht die Geschichte mit der abgesagten Tour gewesen wäre. Ich hatte mich schon sehr auf den Auftritt im feinen Privatclub gefreut, aber leider hat die Band ihre Reise nach Europa kurzfristig gestrichen. Bleibt nur die Hoffnung, dass es im nächsten Jahr endlich klappt.

Fvey-(Deluxe-Limited-Edition)Shihad – FVEY

Dieses und das Stereofysh-Album sind die einzigen, die ich dieses Jahr als physischen Datenträger erstanden habe. Aber das nur als Randbemerkung. Auf dem Album zu hören ist harte Rockmusik, wie ich sie eben mag. Und weil das so ist, habe ich dieses Album im Rahmen einen Crowdfunding-Aktion erstanden. Und damit dazu beigetragen, dass es in Europa überhaupt erschienen ist. Und insgeheim hoffe ich halt schon, dass die Band auch endlich mal wieder hier Konzerte spielen wird. Denn um eine Schlussfolgerung aus diesem Album zu ziehen, das Rocken haben sie im Laufe der Jahre nicht verlernt.

Das nicht erwähnte Stars-Album war im letzten Jahr schon dabei und kann deswegen nicht wiedergewählt werden. Insgesamt gesehen steht es aber über allem und vor allem das wahnsinnig großartige Konzert in Berlin hat dieser Musik die beste Bühne geboten. Die Erinnerung daran erzeugt heute noch Gänsehaut im Nacken und Grinsen im Gesicht.

Damit ist der Schlussstrich unter mein Musikjahr Zwanzigfünfzehn gezogen. Leider ein Jahr mit viel zu wenig Konzertbesuchen. Vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Bleibt die Hoffnung auf das nächste Jahr. Immerhin haben Nada Surf bereits ein neues Album, namens „You Know Who You Are“, und eine ausgiebige Tour angekündigt. Gute Aussichten also.

Zum Schluss noch die Links zu meinen Rezensionen von drei der hier erwähnten Alben bei der Mainstage, zur weiteren Lektüre und Probehören der feinen Musik. Bitteschön. Weiterlesen Album des Jahres Zwanzigfünfzehn

I hear the chorus weeping, i see the people singing.

Hey Rosetta! | Artheater, Köln | 03.10.15

Seit März kenne ich die Musik dieser Band namens Hey Rosetta! und schätze diese sehr. So sehr, dass die Vorfreude auf dieses Konzert in Köln sehr groß war, ebenso die Erwartungen. Oft geht das nicht gut und endet in nicht erfüllten Hoffnungen. Aber nicht dieses Mal. Ganz im Gegenteil, es war noch besser als erträumt.

Es gibt von diesem Konzert kein Foto und kein Video, welches ich hier vorzeigen könnte. Nur die Bilder in meinem Kopf und die vielen Momente, die hoffentlich noch lange in Erinnerung bleiben. Erinnerungen an diese unglaublich großartige Band mit der wunderbaren Musik. Sieben grandiose Musiker, die so viel Freude verbreiten können. Schon allein wenn man diesen beim Musizieren zuschauen und zuhören kann, empfindet man diese Freude. Noch tausendmal schöner wird es, wenn das Publikum ebensolche Freude verbreitet. So wie gestern in Köln. Von Anfang an wurde laut mitgesungen, getanzt, geklatscht, Wunderkerzen verteilt und so eine einmalige Stimmung erzeugt. Die von den Musikern nur allzu gern aufgenommen und wieder zurückgegeben wurde. So viele glückliche Gesichter vor und auf der Bühne gibt nicht oft zu sehen. Dazu ein sehr angenehmer Club, mit gutem Sound und gutem Licht und guter Luft. Das war tatsächlich ein ganz besonderes Konzert. Einige Dutzend habe ich nun schon erlebt, aber dieses wird im Regal der Konzerterinnerungen einen besonderen Platz einnehmen. Und diejenigen, die gestern dabei waren, werden das sicher nachvollziehen können.

Die Supportband, The Franklin Electric aus Montreal, waren auch überzeugend gut, das soll nicht unerwähnt bleiben.

Von wilden Tänzen und goldenen Zähnen.

Bevor demnächst hier viel über die Alpen und das Lakritzbison berichtet wird, noch kurz ein paar Neuigkeiten musikalischer Natur.


Zunächst ein Blick in die Vergangenheit, die noch nicht so weit zurück liegt. Meinen Heimatbesuch vor anderthalb Wochen habe ich auch genutzt, endlich mal wieder die KulturArena zu besuchen. Da spielten Txarango und legten einen beeindruckenden Auftritt hin. Ihre Mischung aus Ska, Reggae, Dub und mehr ist zwar nicht unbedingt meine bevorzugte Musik, aber sie versprühten eine Wahnsinnsenergie und Freude im Arenarund. Das war durchaus beeindruckend. Die unterschiedlichsten Besuchertypen tanzten, hüpften und hatten viel Spaß. Und das vom ersten Lied an. Wer sich ein bissl von dieser Stimmung abzwacken will, kann sich auf der Bandhomepage übrigens sämtliche Musik kostenfrei runterladen.

Und Zweitens gibt es einen Blick in die goldene Zukunft. Denn die wunderbare Band Hey Rosetta! kommen nach Deutschland! Ich freu mich wahnsinnig drauf und bin der festen Überzeugung, dass man diese Konzerte nicht verpassen sollte. Also sage bitte hinterher niemand, er/sie hätte von nichts gewusst.

Hier die Termine in Deutschland:

  • Sept 27 Berlin, Germany @ Badehaus Szimpla
  • Sept 28 Hamburg, Germany @ Nachtspeicher
  • Oct 3 Cologne, Germany @ Art Theatre

Musikalische Neuentdeckung des Monats

Hey Rosetta! – Yer Spring

Das ganze Wochenende schon höre ich die Musik dieser Band. Hey Rosetta! kommen aus dem kalten Neufundland im Osten Kanadas. Die Musik ist aber alles andere als kalt. Sie ist reich und bunt, voller Emotionen, mit viel Liebe und Verstand arrangiert. Und sie umrahmt Texte, die ins Herz gehen, mit sehr gehaltvollen Phrasen. Den besten Einblick auf das Werk gewinnt man meiner noch jungen Erfahrung mit dieser Band nach durch das oben eingebundene Video zu „Yer Spring“. Das ist ein Lied vom 2012er Album „Seeds“. Mittlerweile gibt es auch ein neues Album „Second Sight“, welches in voller Länge hier probegehört kann und dabei ins Herz aufgenommen werden sollte. Denn kaum etwas passt besser zum Monat März, der Zeit des großen Kampfes zwischen Winter und Frühling.

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