Zeilenschlag

Jaja, ich habe heute zu viel Zeit. Weil ich nämlich alles, was ich mir vorgenommen habe, nicht in die Tat umgesetzt habe. Ich war nicht auf der Post und habe das Paket mit der guten Gabel für die weiße Möhre abgeschickt. Ich habe die leeren Rivella-Flaschen nicht weg gebracht. Ich war nicht einkaufen. Und, am schlimmsten, ich war nicht beim Frisör. Deswegen kann ich jetzt nur noch mit Mütze aus dem Haus. Zum Glück ist Winter.
Dafür war ich den ganzen Tag daheim. Und habe nichts gemacht. Weil nämlich, ich bin tot – also fertig.

Nur im Internet war ich unterwegs. Hab Schlagzeilen gelesen, einige. Und darum geht es hier eigentlich auch. So eine Schlagzeile ist ja wichtig. Schon die halbe Miete würden einige sagen. Sowas wie der Schlag auf der Erdbeertorte würden andere sagen. Versteht jetzt jemand das Wortspiel in meiner Überschrift?

Deswegen folgendes Beispiel: Die Meldung ist einfach nur die, dass die Anklage gegen den Typen, der den Noel Gallagher auf der Bühne bei einem Konzert in Kanada geschubst hat, von dem Vorwurf auf Körperverletzung auf schwere Körperverletzung hoch gestuft wurde. Schließlich hat sich der Noel ein paar Rippen beim Sturz gebrochen. So weit ja verständlich. Resultat dieser Hochstufung ist, dass das maximale Strafmaß demnach 14 Jahre statt 5 Jahre Haft beträgt. Aber eben das maximale Strafmaß. So muss man dem Mann erstmal die Absicht nachweisen, dass er den Herr Gallagher überhaupt verletzen wollte usw. So genau kenn ich mich da nicht aus. Ist mir auch schnurz. Aber ich bin mir sicher, dass es nie im Leben zur Höchststrafe kommen wird. Nicht für einen Rempler.

laut.de hat darüber um 9:42 Uhr berichtet. Mit der Schlagzeile: „Oasis: 14 Jahre Haft für Noel-Schubser?“. Immerhin also mit einem Fragezeichen. Könnte man noch durchgehen lassen, auch wenn’s trotzdem Schwachfug ist.

motor.de hat gegen 11 Uhr nachgezogen. Dort lautet die Schlagzeile: „14 Jahre Haft für Attacke auf Noel Gallagher“. Und so steht sie noch immer da. Auch wenn im ersten Satz geschrieben wird, dass dem Angreifer diese Strafe „nur“ droht. Das lass ich einfach mal so stehen.

visions.de hat gegen 17 Uhr eine Meldung geschrieben. Im Feed steht die Schlagzeile: „14 Jahre Haft für den Angriff auf Noel Gallagher“. Ich gehe mal davon aus, dass dies die ursprüngliche Version ist. Denn jetzt steht über dem Artikel „Oasis – Angreifer droht Strafe“. Also mal eine ganz neue Feststellung. Das hätte sicher niemand erwartet.

So viel nur mal zur Qualität der großen Online-Musikmagazine in Deutschland. Das einzig Interessante an der ursprünglichen Meldung wäre mal ein Vergleich der Mindeststrafen gewesen, aber darüber ist natürlich nichts zu lesen.

Und noch eine Schlagzeile. Bei Spiegel Online, Thema ist die Trennung vom Prinzen Harry und seiner Ex Chelsy Davy. „Ex-Freundin verkündete Trennung per Facebook“ kann man da lesen. Dabei geht es einfach nur um den Fakt, dass diese Chelsy in ihrem Facebook-Profil den Beziehungsstatus auf „Single“ geändert hat. Wow. Also merkt euch, wenn ihr mal euren Status irgendwo ändert und daraus eine Nachricht wird, dann habt ihr es geschafft. Was auch immer.

Ich habe übrigens mal versucht, mich bei Facebook mit meinem Fahrrad zu verheiraten. Geht aber nicht, dazu bräuchte das Fahrrad erst ein Profil da. Außerdem wären das ja dann zwei Fahrräder und Facebook ist auf Monogamie ausgelegt. Darüber berichtet hat auch niemand. Auch nicht über meinen aktuellen Status, der da lautet: „Danny ist ein Weltverbesserer, weil er seinen Globus entstaubt hat.“. Schade eigentlich. Vielleicht sollte ich versuchen mich mit dieser Chelsy Davy im Facebook anzufreunden, dann wird mein Status auch endlich mal beachtet.

Saisonende

Zum letzten Mal in diesem Jahr gibt es hier was zum Thema Radsport/Doping. Mittlerweile muss man es ja schon genau so schreiben. Nur müsste man dann konsequenterweise diesen Zusatz hinter nahezu jede Sportart setzen. Aber im Allgemeinen reicht es ja, eine Sache zu verteufeln.

ARD und ZDF haben sich ja nun entschieden, die Tour de France 2009 nicht zu übertragen. Ansich nicht weiter tragisch. Denn die Berichterstattung bei diesen Sendern war, ehrlich gesagt, kaum zu ertragen. Gar nicht mal weil das Dopingproblem gern in den Vordergrund gerückt wurde, sondern weil die Moderatoren zum Großteil vom Radsport in etwa so viel Ahnung hatten, dass sie gerade mal wussten, dass ein Fahrrad nicht mehr als zwei Räder hat.
Ärgerlich dagegen ist, wie dieser Ausstieg nun begründet wird. Es ist nämlich so, die Tourberichterstattung auf diesen Sendern hatten stetig sinkende Zuschauerzahlen, seit Jahren schon. Klar, ist ja auch kein Ulle mehr da. Und deswegen war die Übertragung im Grunde nicht mehr das Geld wert, was beide Sender dafür bezahlen mussten. In nächsten Jahr wird die Anzahl der deutschen Tourteilnehmer auch sehr klein sein. Denn es gibt nur noch ein deutsches Profiteam und dieses ist auch nicht unbedingt für Erfolge gut genug. Man wäre gern eher ausgestiegen, war aber vertraglich noch gebunden. Auch jetzt ist man noch vertraglich zur Übertragung verpflichtet, bis 2011. Aber indem man das Doping als Grund anführt, versucht man aus diesen Verträgen juristisch zu entkommen.

„Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erheblich reduziert. Damit ist auch der programmliche Wert stark gesunken.

Das sind die Worte, mit denen der ARD-Vorsitzenden Fritz Raff den Ausstieg begründet. Da stellt sich doch die Frage, welchen sportlichen Wert dann eine Tour vor 10 Jahren hatte. Als man noch voller Elan und ohne jede Kritik übertrug. Und trotzdem eigentlich klar war, dass flächenmäßig gedopt wurde. Nur wurde dies eben nicht überprüft. Verlogener geht es wohl kaum noch. Das schlimme ist eben, dass dadurch eine ganze Sportart in Misskredit gezogen wird. Und plötzlich jeder Depp, allen voran natürlich unsere Politiker, eine Meinung dazu hat. Ohne jeden Einblick und Verständnis.

Dass man dafür weiter fleißig Sportarten sendet, wie Fußball, Biathlon oder eben rund um die Uhr von Olympia berichtet, ist einfach nicht nachvollziehbar. Einen sehr guten Kommentar von Pit Weber mit vielen Fakten dazu gibt es hier.

Übrigens, der ganze Kampf gegen das Doping im Radsport kam vor ein paar Jahren erst so richtig in Gang, weil es einige unerklärliche Todesfälle junger Radsportler gab. Diese Todesfälle gab es aber in ähnlicher Häufigkeit auch bei Fußballern. Was wurde dort getan, außer ab und an ein Benefizspiel zu veranstalten?

Tourgedanken – Schlussstrich

Österreich hat es nicht leicht in diesen Tagen. Nicht wegen den Fußballergebnissen und auch nicht, weil sich mal wieder ein Prominenter tot gefahren hat. Sondern weil der Sommertraum verpufft. Der Sommertraum des österreichischen Radsports. Was mir sehr leid tut. Besonders für Menschen wie meinem Freund Karim. Nicht leid tut es mir dagegen um jeden erwischten Doper. Selbst wenn man sich darüber im Klaren ist, dass die Fahrer doch nur die armen Schweine des Radsports sind.

Mit Bernhard Kohl hat es nun auch den zweiten Dopingfall im Team Gerolsteiner. Man muss aber mal bedenken, in welcher Situation die Fahrer dieser Mannschaft waren. Es war lange vor der Tour bekannt, dass Gerolsteiner als Sponsor im nächsten Jahr nicht mehr zur Verfügung steht. Und die Tour de France war die letzte Chance der Fahrer, sich noch mal gut zu präsentieren. Entweder um bei einem anderen Team einen Vertrag für die nächste Saison zu bekommen oder aber um mit einer guten Teamleistung einen neuen Sponsor zu finden und so das Team zu retten. Es ist im Radsport ja nicht so wie im Fußball, wo ein Spieler das Geld in den Hintern geblasen bekommt und er sich seinen Verein danach aussuchen kann, wo er möglichst viele Spiele absolvieren kann. Nein, im Radsport geht es um Existenzen. Ein Jahr Verdienstausfall kann sich, abgesehen von den paar Spitzenfahrern, keiner leisten. Und wie schwer der Kampf um den Arbeitsplatz sein kann, das kennen einige sicher aus eigener Erfahrung. Trotzdem ist Doping hier kein Ausweg, logisch.

Die wirklich traurige Nachricht kam aber gleich im Anschluss. Denn Bernhard Kohl ist der letzte Dopingfall der Tour de France 2008. Wer also, wie ich, auf echte Aufklärung und Aufdeckung gehofft hat, kann seine Hoffnungen wieder begraben. Fakt ist, es werden keine weiteren Blutproben untersucht. Das Ganze lief jetzt folgendermaßen ab. Es gab eine Liste von 14 Fahrern, die auffällige Blutwerte während der Tour hatten. Wer alles auf dieser Liste steht, ist nicht bekannt. Und die Proben dieser Fahrer wurden mit einem neuen Test nochmals untersucht und dabei drei Fahrer des Dopings überführt. Einen schalen Beigeschmack hat das Ganze, weil nicht klar ist, wer diese Liste erstellt hat, nach welchen Kriterien und wer alles auf dieser Liste war. Man wüsste ja schon gern, ob beispielsweise Fahrer der CSC-Mannschaft dabei waren, also der Mannschaft, die ja die Tour dominiert hat.

Hinter der Ankündigung, dass es keine weiteren Tests geben wird, könnte man auch schnell gewisse Absichten entdecken wollen. Aber ich denke der Grund dafür ist ziemlich profan. Diese Tests kosten viel Geld und Geld ist im Kampf gegen das Doping sehr knapp. Klar, die UCI, also der Weltradsportverband, hält das Geld dafür so knapp wie möglich. Schließlich leben diese Menschen vom Radsport und jeder Dopingfall gefährdet diesen. Und unsere Medien, also ARD und ZDF, denken lieber über einen Ausstieg von der Radsportübertragung nach. Was natürlich mit finanziellen Einbußen beispielsweise für den Tourveranstalter verbunden wäre. Geld, das in der Dopingbekämpfung dann fehlt. Stattdessen konzentriert man sich bei der Berichterstattung dann lieber auf Sportarten, wo es weniger Dopingfälle gibt. Weil dort weniger dagegen getan wird. Mehr Doppelmoral geht kaum, und das mit öffentlichen Geldern. Schade dass so etwas möglich ist.

Übrigens, der Herr Kretzschmar, dieser coole ehemalige Handballer mit den vielen Tattoos, hat sich jüngst für die Freigabe von Doping ausgesprochen. Wie bescheuerte diese Idee ist, darauf möchte ich nicht weiter eingehen. Aber es zeigt ganz gut, in was für einer Welt diese Profisportler leben. Meiner Meinung nach kann die Lösung nur lauten: Abschaffung des Profisports.

Das Ende der Welt

… oder der Anfang, je nachdem. Jedenfalls hat dieses Thema in der letzten Zeit starke Präsenz in den Medien erreicht. Es geht natürlich um den neuen Teilchenbeschleuniger LHC in Genf. Lustig ist ja, dass diese Aufmerksamkeit nur entstand, weil so ein Spinner meinte, sich wichtig tun zu müssen. Man muss es so krass ausdrücken. Von wegen kleinen schwarzen Löchern und so. Diese Vorgänge, die in dem Teilchenbeschleuniger konstruiert werden sollen, passieren ständig um uns herum. Das muss man sich mal klar machen. Und davon geht die Welt auch nicht unter. Nur konnte man die bisher eben nicht untersuchen. Deswegen diese Apparatur.

Eine Frage, die man sich aber wirklich stellen kann, ist die nach dem Aufwand-Nutzen-Verhältnis. Klar, das ist immer in der Wissenschaft so. Es werden beispielsweise Unmengen Geld in Waffen gesteckt, aber für die Grundlagenforschung fehlt es. Nur sind die Vorgänge in so einem Teilchenbeschleuniger so abstrakt, dass niemand wirklich sagen kann, welchen Nutzen das Ganze am Ende hat. Es werden Theorien bestätigt oder widerlegt, aber was man in der Praxis damit anfangen kann, weiß im Grunde keiner der Forscher. Deswegen ist bei so einem Projekt immer eine ganze Menge Hoffnung dabei, dass die eingesetzte Geldmenge nicht auch wie vielleicht so manches Teilchen einfach verpufft. Aber eben, man weiß es vorher nicht. Und es gibt unnötigere Dinge auf dieser Welt, wofür man das Geld einsetzen könnte. Beispielsweise für lächerliche Schlagzeilen über ein Ende der Welt.

Falls ich mit all dem falsch liege und die Welt doch noch untergeht, kann das hier eh keiner mehr lesen. Deswegen ist das Risiko für mich praktisch null.

Sportfreundliche Presse

Letztes Wochenende war ja wieder Highfield. Zum zweiten Mal ohne mich, aber ich vermisse da echt gar nichts. Außerdem kann man ja jetzt auch alles in der Presse nachlesen. In unserer Tageszeitung, der Ostthüringer Zeitung (OTZ), gibt es einen „ausführlichen“ Bericht und Bilder. Und die Sportfreunde waren dieses Jahr auch wieder auf dem Highfield und werden demzufolge in der OTZ auch erwähnt.

„Die Sportfreunde Stiller“ am Freitagabend auf typisch grüner Bühne mit „Schwule Mädchen“ oder „Alles Roger!“ ernteten Applaus ohne Ende.

Na herzlichen Glückwunsch. Hoffentlich haben sie auch „Nackt baden gehen“ gespielt, machen sie ja nur ganz selten.

Die Lügerei geht sogar noch weiter. Unter einem unscharfen und überbelichtetem Bild (Die anderen Bilder sind nicht besser.) steht:

Guter Sänger: Peter Brugger von „Sportfreunde Stiller“

Nachtrag: Der Artikel ist sogar online und kann hier bestaunt werden.

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