Album des Jahres Zwanzigfünfzehn

Meine Last.fm-Album-Charts für 2015
Meine Last.fm-Album-Charts für 2015

Es wird mal wieder Zeit die Alben des Jahres vorzustellen, wie in den letzten Jahren auch geschehen. Wieder waren die Äffchen bei Last.fm fleißig und haben alle von mir gehörten Lieder fein mitgezählt und ausgewertet. Und wieder einmal stellt das Ergebnis mein persönliches Empfinden sehr gut dar.

Second-SightHey Rosetta! – Second Sight

Meine absolute Lieblingsneuentdeckung des Jahres waren ganz klar diese großartigen Musiker aus Neufundland. Streng genommen wurde das Album im Jahr 2014 veröffentlicht und dürfte deswegen nicht Album des Jahres werden. Aber da ich Spätzünder die Band erst im März entdeckt habe, sie mich sofort bezaubert hatten und mir obendrein das großartigste Konzerterlebnis des Jahres bescherten, kann nur dieses Album zum Album des Jahres 2015 gekürt werden. Stellvertretend auch für „Seeds“ und „Into Your Lungs…“, die beiden älteren Alben der Band, die mindestens genauso grandios wie das aktuelle sind.

We-Were-HereBOY – We Were Here

Sehr gern erinnere ich mich noch an den Auftritt bei der KulturArena 2012, als ich dachte, selbst wenn das zweite Album ein Flop werden oder nie entstehen würde, diese Band war hier und hat wundervolle Momente in die Welt gezaubert. Und nun kam das zweite Album doch ans Licht und ist großartig geworden. Anders als das Debüt, tiefer, bunter, mit einer größeren Bandbreite. Und nicht jeder Song ist ein Hit, alles ist ein bisschen weniger persönlich, dafür professioneller. Und trotzdem ein großartiges Album. Fehlt nur noch ein zugehöriges Konzert, das hat sich dieses Jahr leider nicht ergeben.

We-Loved-Her-DearlyLowell – We Loved Her Dearly

Ich weiß gar nicht mehr, wie ich diese Künstlerin eigentlich entdeckt habe. Wahrscheinlich war es einer der Newsletter für Mainstage, von denen ich Dutzende täglich erhalte. Imponiert hat mir zunächst die Stimme, die musikalische Bandbreite und, nachdem ich mich weiter mit ihr auseinander gesetzt hatte, die Geschichte dieser Frau. Nachlesen kann man das in meiner Rezension bei der Mainstage. Schon erstaunlich dass es ein Album mit elektronischer Musik so weit nach oben geschafft hat, aber es hat sich in den Gehörgängen festgesetzt und beim Hören viel Freude bereitet. Deswegen hoffe ich, dass es bald ein zweites Lowell-Album geben wird. 

FreedomRefused – Freedom

Die Überraschung des Jahres! Also nicht nur die Qualität des Albums, sondern vor allem die Tatsache, dass es überhaupt wieder ein Refused-Album gab. Völlig unverhofft erschien es. Vielleicht nicht mehr ganz so hart und gnadenlos wie damals, aber meiner Meinung macht es das noch besser. Und thematisch ist es das relevanteste Album des Jahres. Bei all dem kranken Mist, der 2015 passierte und noch immer auf dieser Welt stattfindet, war es ein gutes Gefühl, dieses Album zu hören und zu wissen, dass es auch Menschen mit Verstand da draußen gibt. Gerade nach den Anschlägen in Paris und den teilweise grotesk-dummen Reaktionen danach war ich sehr dankbar für dieses Album.

KintsugiDeath Cab For Cutie – Kintsugi

Das Album selbst ist meiner Meinung nach kein Meisterwerk, aber besser als der Durchschnitt allemal. Aber die Platzierung hier steht eben auch für die wunderbaren Konzertmomente, die Death Cab mir dieses Jahr beschwert haben. Und dafür, dass diese Band live einfach wahnsinnig gut sind. Viel kraftvoller und spielfreudiger als es die Aufnahmen manchmal vermuten lassen. Und eine Band, die schon so viele großartige Lieder hervorgebracht hat. Die live eben noch immer gern abgefeiert werden. Von solchen Bands gibt es eben auch nicht viele und all das steckt für mich eben auch in diesem Album.

The-RaceStereofysh – The Race

Die wunderbaren Zander-Geschwister sind nicht nur total liebe Menschen, die ich sehr sehr gern mag, sondern machen eben auch verdammt gute Musik. Und nach der grandiosen Record Release-Party gehört das Album auf jeden Fall zu meinen Alben des Jahres. Und macht die Liste ein bisschen bunter. Außerdem ist es dasjenige Album, dem man die viele Liebe, die in seine Entstehung gesteckt wurde, am allermeisten anhört. Klingt komisch, ist aber so. Hoffentlich gibt es im nächsten Jahr wieder ein, zwei oder mehr Gelegenheiten, die Musik wieder live zu hören. Denn das ist jedesmal ein großer Genuss.

True-BrewMillencolin – True Brew

Irgendwie hat es mich im letzten Jahr auch wieder zurück zur Musik meiner Jugend gezogen. Unter anderem wegen diesem Album. Durch Zufall hatte ich entdeckt, dass Millencolin ein neues Album haben. Kurzentschlossen wurde es gekauft und erstaunt festgestellt, dass es fast wie früher klingt. Schneller Gute Laune-Punk, der mich damals oft in die Schule begleitet hatte. Also habe ich diese Reise in die Vergangenheit gern mitgemacht und mir die Musik um die Ohren gehauen. Und nun habe ich durchaus Lust auf so ein kleines, wildes Punkkonzert. Aber nur mit guter Musik, wie eben die von Millencolin.

Drug-For-The-Modern-AgeKopecky – Drug For The Modern Age

Auch so eine Entdeckung des Jahres. Ich mag die Musik dieser Band wirklich sehr. Und ihren Ansatz, ernste und tiefgründige Texte mit leichter, poppiger Musik zu verbinden. Das funktioniert bei ihnen wunderbar. Dieses Album kann ich dementsprechend nur jedem empfehlen und mit Sicherheit wäre es weiter oben in meinen Charts gelandet, wenn da nicht die Geschichte mit der abgesagten Tour gewesen wäre. Ich hatte mich schon sehr auf den Auftritt im feinen Privatclub gefreut, aber leider hat die Band ihre Reise nach Europa kurzfristig gestrichen. Bleibt nur die Hoffnung, dass es im nächsten Jahr endlich klappt.

Fvey-(Deluxe-Limited-Edition)Shihad – FVEY

Dieses und das Stereofysh-Album sind die einzigen, die ich dieses Jahr als physischen Datenträger erstanden habe. Aber das nur als Randbemerkung. Auf dem Album zu hören ist harte Rockmusik, wie ich sie eben mag. Und weil das so ist, habe ich dieses Album im Rahmen einen Crowdfunding-Aktion erstanden. Und damit dazu beigetragen, dass es in Europa überhaupt erschienen ist. Und insgeheim hoffe ich halt schon, dass die Band auch endlich mal wieder hier Konzerte spielen wird. Denn um eine Schlussfolgerung aus diesem Album zu ziehen, das Rocken haben sie im Laufe der Jahre nicht verlernt.

Das nicht erwähnte Stars-Album war im letzten Jahr schon dabei und kann deswegen nicht wiedergewählt werden. Insgesamt gesehen steht es aber über allem und vor allem das wahnsinnig großartige Konzert in Berlin hat dieser Musik die beste Bühne geboten. Die Erinnerung daran erzeugt heute noch Gänsehaut im Nacken und Grinsen im Gesicht.

Damit ist der Schlussstrich unter mein Musikjahr Zwanzigfünfzehn gezogen. Leider ein Jahr mit viel zu wenig Konzertbesuchen. Vor allem aus gesundheitlichen Gründen. Bleibt die Hoffnung auf das nächste Jahr. Immerhin haben Nada Surf bereits ein neues Album, namens „You Know Who You Are“, und eine ausgiebige Tour angekündigt. Gute Aussichten also.

Zum Schluss noch die Links zu meinen Rezensionen von drei der hier erwähnten Alben bei der Mainstage, zur weiteren Lektüre und Probehören der feinen Musik. Bitteschön. Weiterlesen Album des Jahres Zwanzigfünfzehn

Refused Party Program

The New Noise Theology
Vor 14 Jahren, im Jahre 1998, gaben Refused ihre Auflösung bekannt. 2012 sind sie wieder zurück und spielen die Songs, die seit mindestens 14 Jahren nicht mehr live gespielt wurden. Das Erstaunliche an dieser Geschichte ist aber, dass die Songs überlebten und weiter wirkten. Und dafür bedankte sich Sänger Dennis Lyxzén gestern beim Konzert in der Live Music Hall in Köln ausgiebig beim Publikum.

Ich habe Refused erst spät entdeckt. Den Hype um „New Noise“ habe ich damals natürlich mitbekommen und fand den Song super. Das Album habe ich mir aber erst viel später gekauft, als es im Angebot war. Musikalisch fand ich T(I)NC viel interessanter. Trotzdem bewundere ich die Kraft in der Musik von Refused. Und höre es mir immer wieder gern an. Als sie dieses Jahr ihre Reunion bekannt gaben, konnte ich das nicht so recht einschätzen. Immerhin waren Refused immer mehr als eine Band, es war auch der Versuch Bekanntheit im Musikbereich zur Verbreitung von politischen Ansichten zu nutzen. Ein zwiespältiges Thema. Mich interessiert aber in erster Linie die Musik und das Konzert. Auch wenn ich mich schon frage, warum so eine Band dann Billig-T-Shirts aus Bangladesh verkauft.

Auf dem Highfield war der Auftritt von Refused für mich das Highlight überhaupt. Gestern in Köln wirken sie im Vergleich zum Highfield weniger kraftvoll und spielfreudig. Man bewegte sich vergleichsweise wenig auf der Bühne und es hatte den Anschein, dass man nach der kurzen Konzertpause erst wieder die Drehzahl hochfahren musste. Vor der Bühne sah das anders aus. Bereits ab dem ersten Ton schmissen sich die Körper aneinander und überall wurde euphorisch jeder Song abgefeiert. Bis auf kleine Ausnahmen (Ich wünsche Typen, die sich einfach ins Publikum stellen und Menschen dümmlich rumschubsen, ohne sich selbst zu bewegen, noch immer, dass sie sich beide Arme brechen mögen.) blieb es bei aller Härte fair.

Erstaunlich finde ich, dass Dennis Lyxzén, wie schon auf dem Highfield, wieder Anekdoten mit Bezug auf ehemalige Konzerte am Ort des Geschehens auspackte. Und sich von ganzem Herzen dafür bedankte, dass zwar nur drei Besucher von damals im Publikum sind, aber trotzdem all die Menschen da vor der Bühne die Musik von Refused so lange lebendig gehalten haben. Man muss sich das mal vorstellen. Der Großteil des Publikums ist einfach viel zu jung, um Refused damals schon mitbekommen zu haben. Und trotzdem merkt man so vielen Besuchern an, wie viel ihnen die Songs bedeuten. Wenn sie lauthals mitsingen, die Fäuste in die Luft werfen und jede Note und Wortfetzen auswendig können. Gibt es heute Bands, deren Musik auch nur annähernd so relevant ist? Diese Frage ging mir gestern mehrmals durch den Kopf. Eine Antwort habe ich aber nicht gefunden.

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