Jenaer Musikszene-Beobachtungen

Unglaublich, ich war dieses Jahr schon auf fünf (5!!!) Konzerten hier in Jena. Und das Publikum war jedesmal absolut anders. Als im Vergleich jetzt, zwischen den Konzerten. Zuerst Minor Majority mit dem typischen Kulturarena-Publikum, dann Sportfreunde mit eben dem Sportfreunde-Publikum (denen von der guten Seite), dann Superpunk mit dem Musikkenner-Publikum, Olli Schulz mit dem Event-Publikum und jetzt noch Whitest Boy Alive mit dem Indie-Publikum. Ja, so ist das.

Außerdem habe ich zu dem letzten Konzert, also The Whitest Boy Alive im Kassablanca, gerade ein paar Worte geschrieben und ein paar Fragen aufgeworfen. Ich hoffe davon fühlt sich niemand angegriffen, das will ich nicht. Das sind einfach nur Gedanken, aber ohne Hintergedanken. Ich bin doch eigentlich ein ganz Lieber. Jedenfalls, wenn der ein oder andere Leser die ein oder andere Frage (auch was den Kümmel betrifft) beantworten kann und möchte, dann ist hier der Platz dafür: Hab es mir anders überlegt und nochmal alles umgebaut.

The Whitest Boy Alive im Kassablanca zu Jena

Ich werde Musik, die allein von einem Computer erstellt wurde, und vor allem diese Diskotheken-Kultur nie verstehen. Manchmal tut mir das leid, aber so sehr ich mich auch anstrenge, ich kann es nicht ändern. Mir geht das nicht in den Kopf rein. Das ist doch so, als würde man bei McDonalds essen gehen, obwohl man auch in ein Restaurant gehen kann. Wieso gehen Menschen zu Musik, die gar nicht für sie gemacht wird, ab? Kann jemand zumindest meine Meinung dazu verstehen, oder bin ich damit, wie mit meiner Liebe zum Kümmel, eine absolute Ausnahme? So ein Live-Konzert, egal welcher Musik, welches Genre, kann doch so viel mehr. Die Musiker, egal wie gut oder schlecht sie ihre Instrumente beherrschen, können auf das Publikum eingehen. Diese Musik ist lebendig, sie entwickelt sich, sie wird ernährt und wächst. Sowas kann kein DJ mit „seiner“ Musik machen. Aber genug dazu, hier die Fakten zum Konzert:

Das Kassablanca ist sehr gut besucht für Semesterferien und einen Dienstag. Überall sieht man Indie-Frisuren und schwarze Hornbrillen. Der krasseste Schlack steht natürlich auf der Bühne und heißt Erlend Øye. O-Ton weiblicher Wesen, als dieser die Bühne betrat: „Der sieht schon richtig scheiße aus.“ Die Damen sagten übrigens kurz davor, mit etwas Erregung in der Stimme, den Satz: „Ich habe den Erlend schon gesehen, als der von der Toilette kam.“… Jetzt hab ich den Faden verloren.

Jedenfalls kam die Band nach gefühlten zwei Tagen Wartezeit auf die Bühne, eine Vorband gab es nicht. Aber okay, trotz langer Wartezeit gelang es sofort, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Und da bleib es auch, also bei der Band, bei der Musik, bis zum Ende. Und so hatte das alles schon manchmal was von einem Rave, nur dass da eben vier Typen mit echten Instrumenten auf der Bühne waren. Øyes Stimme war live, zumindest an diesem Abend, nicht ganz so hell und klar wie von Platte gewohnt, aber sie machte eben selbst die ruhigeren Momente zum Erlebnis. Und dafür tanzte er ja auch und spielte mit dem Publikum. Aber im Vordergrund stand der Austausch zwischen Band und Publikum. Dessen Höhepunkt dann sicher der Sprung Øyes in selbiges war.

Okay, einen Vorteil hat so ein DJ dann doch, der spielt länger als die knapp anderthalb Stunden. Dafür kann der aber kein spontanes Basssolo, wette ich.

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